Individualisierte Medizin statt Standardmodelle: Gesundheitsversorgung stärker geschlechtsspezifisch ausrichten
Zum jüngst vorgestellten Gesundheitsreport der Barmer „Gendermedizin – Ungleichbehandlung für sie, für ihn, für alle“ erklärt die gleichstellungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Elke-Annette Schmidt:
„Es ist richtig und wichtig, dass dieses Thema stärker in die Öffentlichkeit gelangt. Noch immer gibt es viel zu wenig Wissen über eine geschlechtsspezifische Ausrichtung der Gesundheitsversorgung, auch unter medizinischen Fachkräften. Die medizinische Versorgung orientiert sich bis heute am ‚Standardmodell‘ eines Mannes im mittleren Alter. Das hat Folgen sowohl für die Dosierung von Medikamenten als auch die Erkennung von Krankheiten, denn die Körper von Frauen funktionieren in vielerlei Hinsicht völlig anders. Beispielsweise sind die Symptome für einen Herzinfarkt bei Frauen und Männern sehr unterschiedlich ausgeprägt. Wenn Ärztinnen und Ärzte keine Kenntnis darüber haben, fällt die richtige Diagnosestellung schwer.
Angebote der Gesunderhaltung und Prävention richten sich dagegen vor allem an Frauen, denn aufgrund von geschlechtsspezifischem Rollenverhalten nehmen Männer diese kaum an. Mit einer geschlechtersensiblen Ansprache sollte auch dem entgegengewirkt werden, auch Männer sollten besser auf ihre Gesundheit achten.
Der Gesundheitsreport der Barmer zeigt auch, dass die geschlechtsspezifische Analyse von Gesundheitsdaten wichtig ist, um zielgerichtet Maßnahmen ableiten zu können. Dies sollte für künftige Gesundheitsberichterstattungen selbstverständlich sein.“
