Zivildienst ist kein Pflaster für den kaputtgesparten Sozialstaat
Der friedens- und gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion, Torsten Koplin, lehnt die Debatte um die Wiedereinführung eines verpflichtenden Zivildienstes entschieden ab.
„Der Zivildienst ist kein adäquates Mittel, um die Löcher eines kaputtgesparten Sozialstaats zu stopfen. Was wir brauchen, sind endlich genügend gut ausgebildete Fachkräfte, damit unsere Mitmenschen und wir selbst in Würde alt werden können.
Ein verpflichtender Zivildienst löst weder den Personalnotstand in Pflege, Gesundheit und sozialen Diensten, noch ersetze er die Verantwortung von Politik und Arbeitgeber:innen, für gute Arbeit, faire Bezahlung und verlässliche Ausbildungswege zu sorgen. Wer Versorgung sichern will, muss in Personal, Strukturen und Qualität investieren, nicht in Zwangsdienste. Ein ziviler Zwangsdienst nimmt den womöglich bald wieder eingeführten Zwangswehrdienst vorweg. Wir stellen uns gegen jeden Zwangsdienst für unsere Jugend, ganz gleich, unter welchem Etikett er daherkommt.
Statt Pflicht und Drill brauche es Angebote, die junge Menschen überzeugen und beteiligen. Wer die Jugend aktivieren will, muss ihr gute Perspektiven, faire Bedingungen und echte Freiwilligkeit anbieten. Das Angebot der erfahrenen und wirtschaftlich privilegierten Generation an die Jugend darf nicht lauten: „Jetzt macht mal.“ Es muss lauten: „Wir schaffen gute Bedingungen, damit ihr euch freiwillig und mit Überzeugung einbringen könnt.“ Wer die Jugend ernst nimmt, setzt auf Beteiligung statt auf Bevormundung.“
