War die Landesregierung gegenüber der Lage auf den Werften blind?
Zur heutigen Sitzung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) zur Aufklärung von Sachverhalten im Zusammenhang mit der Insolvenz der P+S Werften erklärt die Obfrau der Linksfraktion, Jeannine Rösler:
„Heute hat u.a. der letzte Geschäftsführer der P+S Werften GmbH, Rüdiger Fuchs, ausgesagt. Herr Fuchs hat im August 2012 seine Arbeit aufgenommen. Wie er heute im Ausschuss mitteilte, hat er gleich zu Beginn seiner Tätigkeit festgestellt, dass die Volkswerft ‚völlig aus dem Takt war‘. An seinem ersten Arbeitstag seien auch Sachverständige von PWC und Landesvertreter auf der Werft gewesen, um sich ein Bild von der Werft und dem Zustand der Schiffe zu verschaffen. Für alle Beteiligten sei sofort sichtbar gewesen, dass die Scandlines-Fähren nicht in der vertraglich vereinbarten Zeit ausgeliefert werden könnten. Auch alle anderen im Bau befindlichen Schiffe seien nicht im Plan gewesen. Diese Tatsachen hätten für sich gesprochen. Die Zukunft der Werften stand auf Messers Schneide, denn ohne die Ablieferung der Scandlines-Fähren sei die Rettung der Werft nahezu unmöglich gewesen.
Die Aussagen von Herrn Fuchs werfen erneut die Frage auf, zu welchen Zeitpunkten, wie oft und mit welcher Intensität sich die Landesregierung direkt ein Bild von der wirklichen Situation auf der Werft verschafft hat. Wenn gerade beim Blick auf die Bautenstände der Schiffe für jeden Laien sichtbar gewesen war, dass die vereinbarten Termine nicht zu halten sind, dann müssen Beraterfirmen, Sachverständige und letztlich auch die Landesregierung blind gewesen sein. Eine ‚Chefsache‘ sieht anders aus.
Zudem gab es laut Fuchs von vornherein ein Problem, welches in der Umstellung vom Serien- zum Spezialschiffbau begründet lag. Der Werft seien in zu kurzer Zeit zu viele Neukonstruktionen zugemutet worden, die nicht in dieser Kürze erfolgreich gelingen konnten. Durchlauf- und Ablieferungsplan seien für ein im Spezialschiffbau unerfahrenes Unternehmen viel zu schnell getaktet gewesen, es habe vor allem an eigenen Entwicklungs- und Konstruktionskapazitäten gefehlt.
Die Aussagen von Herrn Fuchs lassen darauf schließen, dass die Werften für eine erfolgreiche Sanierung auch deutlich mehr Zeit gebraucht hätten. Vor diesen schwerwiegenden Risiken hatte bereits Herr Martin Hammer als erster Sanierer Anfang 2010 gewarnt. Die Landesregierung hat zur damaligen Zeit alle Warnungen in den Wind geschlagen.“
