Todeszone Ostsee: Ein Weckruf zum Handeln
Zum massiven Fischsterben an der Ostseeküste zwischen Markgrafenheide und Heiligendamm erklärt der umweltpolitische Sprecher der Linksfraktion, Dr. Daniel Trepsdorf:
„Seit Jahrzehnten gelangen hohe Stickstoffeinträge in die Ostsee. In Verbindung mit milden Temperaturen fördern sie das Algenwachstum. Die Meereszonen mit akutem Sauerstoffmangel verdichten sich – aktuell etwa zwischen Markgrafenheide und Heiligendamm. Fischen und höher entwickelten Meereslebewesen fällt es zunehmend schwer, den Zonen mit Sauerstoffmangel auszuweichen. Massenhaftes Ersticken ist die Folge.
Am Ende wird dies auch für den Menschen gefährlich. Wissenschaftliche Untersuchungen – unter anderem des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde – bestätigen, dass übermäßige Nährstoffeinträge, vor allem Stickstoff und Phosphor aus Landwirtschaft, Abwasser und Industrie, seit Jahrzehnten die sogenannte Eutrophierung der Ostsee vorantreiben. Das aktuelle Fischsterben steht zudem im Zusammenhang mit einem Upwelling-Effekt: Windströmungen drücken sauerstoffreiches Oberflächenwasser von der Küste weg, sodass sauerstoffarmes Tiefenwasser an die Küste gelangt. In Kombination mit der Algenblüte, die durch Zersetzungsprozesse zusätzlich Sauerstoff entzieht, entstehen großflächige Todeszonen. Schon jetzt gilt die Ostsee als eines der am stärksten überdüngten Meere der Welt. Laut HELCOM-Bericht sind – je nach Saison – bis zu 97 Prozent der Ostsee von Eutrophierung betroffen.
Als Linksfraktion fordern wir daher eine deutliche Reduzierung der Nährstoffeinträge, insbesondere durch eine strengere Regulierung der Düngemittelverwendung in der Landwirtschaft sowie durch eine verbesserte Aufbereitung kommunaler Abwässer. Zudem muss die nachhaltige Landnutzung gefördert werden, indem Betriebe unterstützt werden, die auf ökologische und nährstoffärmere Bewirtschaftung setzen. Ergänzende Maßnahmen müssen sich mit Meeres- und Küstenschutzprogrammen verbinden, etwa durch den Ausbau von Schutzgebieten in der Ostsee und eine strenge Überwachung industrieller Einleitungen. Da die Ostsee ein Binnenmeer mit vielen Anrainerstaaten ist, können wir nachhaltigen Erfolg nur durch eine enge europäische Zusammenarbeit erzielen. Einen wichtigen Baustein hierzu hat die Landesregierung mit der MV-Ostseestrategie (2024) für eine verbesserte Zusammenarbeit im Ostseeraum geliefert. Schließlich brauchen wir noch intensivere Aufklärung über die Folgen der Überdüngung und verstärkte Investitionen in Forschung und Monitoring, um die Entwicklung langfristig kontrollieren zu können.
Die jüngsten Ereignisse vor Rostock sind ein lautes Warnsignal. Wenn wir die Stickstoff- und Phosphateinträge nicht deutlich verringern, werden solche Massensterben künftig nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein. Der Schutz der Ostsee ist keine Option, sondern eine Pflicht gegenüber kommenden Generationen.“
