Erinnerung braucht Räume – Kino schafft sie: „Das geheime Stockwerk“ als Einladung zu Mut und demokratischer Verantwortung
Zur Publikumspremiere des Kinder- und Familienfilms „DAS GEHEIME STOCKWERK“ erklärt die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Elke-Annette Schmidt:
„Am 27. Januar – dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus – setzt ein bundesweites Kinoevent ein deutliches Zeichen: Kultur ist nicht Dekoration der Demokratie, sondern ihr Fundament. Die Publikumspremiere des Kinder- und Familienfilms ‚DAS GEHEIME STOCKWERK‘ (D 2026) wird begleitet von Gesprächen mit Gästen aus Film, Kultur und Zivilgesellschaft. Wir begrüßen ausdrücklich, dass dieser Film eine starke Aufmerksamkeit erhält – denn die Botschaft ist dringend: Erinnerung ist kein Kapitel der Vergangenheit. Sie ist eine Aufgabe der Gegenwart.
Im Mittelpunkt des Kinder- und Familienfilms steht der junge Karli, der mit seiner Familie in ein altes, geheimnisvolles Hotel zieht. Dort entdeckt er einen versteckten Zugang zu einem ‚Stockwerk‘, das eigentlich nicht existieren dürfte – und findet sich plötzlich in einer anderen Zeit wieder: im Jahr 1938, in einer Welt, die sich spürbar verändert hat und in der Angst, Ausgrenzung und Unrecht immer mehr Raum gewinnen. Karli begegnet dabei Hannah, einem jüdischen Mädchen, und dem Schuhputzerjungen Georg.
‚Das geheime Stockwerk‘ erzählt als spannendes, kindgerechtes Abenteuer von einer Begegnung über Zeitgrenzen hinweg – und macht damit erfahrbar, was Geschichtsunterricht allein oft nicht leisten kann: Es übersetzt historische Verantwortung in Gefühle, Fragen und Entscheidungen. Der Film führt junge Zuschauer:innen in eine Welt, in der Ausgrenzung, Verfolgung und Angst nicht abstrakt bleiben, sondern als konkrete Erfahrung sichtbar werden – und in der zugleich Freundschaft, Zivilcourage und Solidarität wachsen können.
Gerade für Schulklassen ist dieser Film ein wertvoller Impuls: Er eröffnet Gespräche darüber, wie schnell aus Schweigen Zustimmung wird, wie gefährlich Entmenschlichung ist – und wie wichtig es ist, nicht wegzusehen. Das Kino wird so zu einem Lernort, an dem politische Bildung nicht als Belehrung daherkommt, sondern als gemeinsames Nachdenken: Was hätte ich getan? Was kann ich heute tun? Kinder und Jugendliche erleben, dass Demokratie nicht nur aus Regeln besteht, sondern aus Haltungen. Dass sie nicht einfach „da“ ist, sondern verteidigt, gelernt und gelebt werden muss – in der Schule, im Alltag, in der Familie, in der Gesellschaft.
Denn wir erleben eine Zeit, in der Antisemitismus, Rassismus und rechte Ideologien wieder lauter werden – auf der Straße, in sozialen Netzwerken und leider auch in Parlamenten. Gleichzeitig geraten historische Fakten und humanistische Werte zunehmend unter Druck: durch Relativierung, durch Desinformation, durch das systematische Verschieben dessen, was sagbar sein soll. ‚Das geheime Stockwerk‘ stellt sich dem entgegen – leise, aber unübersehbar. Er zeigt, dass Erinnerung nicht nur Schmerz ist, sondern auch Stärke, aus Geschichte Konsequenzen zu ziehen.
Die Linksfraktion setzt sich dafür ein, dass politische und kulturelle Bildung verlässlich, dauerhaft und strukturell abgesichert wird. Demokratie fällt nicht vom Himmel – sie wächst dort, wo Kinder und Jugendliche Räume bekommen, in denen sie Fragen stellen dürfen, Widerspruch lernen, Geschichte begreifen und Gegenwart einordnen können. Genau dafür braucht es starke Kooperationen zwischen Schulen und Kultureinrichtungen, die regelmäßig Filmgespräche, Projekttage und kulturelle Lernorte ermöglichen.“
