Der NSU nahm auch Greifswald ins Visier
Zur heutigen Sitzung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) zur Aufklärung der NSU-Aktivitäten und weiterer rechtsterroristischer Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern erklärt der innenpolitische Sprecher und Obmann der Linksfraktion, Michael Noetzel:
„Der NSU-Komplex ist nicht aufgeklärt. Das wurde in der heutigen Vernehmung eines ehemals ermittelnden Polizeibeamten erneut deutlich. Dieser zeigte sich überzeugt, dass die bundesweite Mord- und Raubserie des NSU nur mit einer massiven Logistik und entsprechender Unterstützung bewerkstelligt werden konnte. Insbesondere die Überfälle auf eine Sparkasse in Stralsund, die zu den beutereichsten des Terrornetzwerkes gehörten, werfen in diesem Zusammenhang Fragen auf.
Straßenkarten, die im Brandschutt der letzten bekannten Wohnung des NSU in Zwickau gefunden wurden, nähren zudem den Verdacht, dass das rechtsterroristische Netzwerk weitere schwere Straftaten in Mecklenburg-Vorpommern plante. Insbesondere Objekte, die der NSU im Greifswalder Ostseeviertel markierte, könnten Tatorte, Ausspähpositionen und potenzielle Fluchtrouten aufzeigen. Womöglich hatte der NSU mit Greifswald eine dritte Stadt in Mecklenburg-Vorpommern für seine blutige Mord- und Raubserie ins Visier genommen.
Wie konkret die Planungen für eine weitere Tat waren oder wer vor Ort an den Ausspähungen oder sogar den Taten beteiligt gewesen sein könnte, konnte der Zeuge aufgrund seines begrenzten Ermittlungswissens nicht näher ausführen. Wir werden jedoch auch kommenden Montag mit den weiteren Vernehmungen versuchen, mehr Licht ins Dunkel des NSU-Komplexes zu bringen.“
