Der Beginn der braunen Terrorspur in Mecklenburg-Vorpommern
Zum Todestag von Dragomir Christinel, der sich am 15. März zum 30. Mal jährt, erklärt der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Michael Noetzel:
„Über viele Jahre wurde der gewaltsame Tod von Dragomir Christinel aus der Öffentlichkeit verdrängt und bewusst durch die Behörden entpolitisiert. Die Polizei versuchte der Öffentlichkeit glaubhaft zu machen, dass die Tat keinen ‚ausländerfeindlichen‘ Hintergrund haben könne – exakt wie nach dem Mord an Mehmet Turgut am 25. Februar 2004 durch Mitglieder des NSU. Doch der Mob, der Dragomir Christinel am 15. März 1992 in Saal überfallen und getötet hat, war von blankem Rassismus getrieben. Neben rechter Gewalt haben Relativierung und Verharmlosung eine bittere Tradition, die endlich beendet werden muss.
Insbesondere die frühen 1990er Jahre hinterließen eine blutige Spur und bereiteten den Nährboden späterer rassistischer Terrorattacken. Nur fünf Monate nach dem gewaltsamen Tod von Dragomir Christinel wurde Rostock-Lichtenhagen international zum Symbol rassistischer Straßengewalt, die vom Applaus der vermeintlich bürgerlichen Mitte immer weiter angeheizt wurde. In diesen Jahren politisierte und radikalisierte sich zudem die ‚Generation Terror‘, aus der das spätere NSU-Netzwerk hervorgegangen ist.
Der Tod von Dragomir Christinel kann und darf nicht als eine einzelne Tat, sondern muss im Kontext dieser brutalen und für viele Menschen gefährlichen Zeit begriffen werden, die als sogenannte Baseballschlägerjahre bekannt wurden. Es ist wichtig, dass die Initiative ‚Pro Bleiberecht‘ und das Alternative Jugendzentrum ‚Kita‘ in Ribnitz-Damgarten dieses Verbrechen öffentlich thematisieren und zum Gedenken an Dragomir Christinel aufrufen. Auch die Forderung nach einem öffentlichen Gedenkort wird von mir und meiner Fraktion unterstützt.“
