Baukultur lebt von Vielfalt, demokratischer Beteiligung und sozialer Verantwortung – nicht von völkischen Architekturvorstellungen à la AfD
Zum rückwärtsgewandten Kulturkampf der AfD und ihren Vorstellungen zur Architektur und Baukultur erklärt der bau- und wohnungspolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Daniel Trepsdorf:
„Unter dem Schlagwort eines angeblichen ‚Heimatstils‘ propagiert die Partei eine architektonische Wende, die weniger mit Bauqualität als mit politischer Deutungshoheit zu tun hat. Diese Bestrebungen weisen wir als Fraktion entschieden zurück.
Meine Kollegin Elke-Annette Schmidt und ich stehen in engem Austausch mit der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern, kommunalen Wohnungsunternehmen, Studierendenwerken, Mietervereinen und der Bauwirtschaft. Dort spricht niemand über völkische Fantasien oder ideologisch verordnete Baustile. Die tatsächlichen Herausforderungen heißen bezahlbares Wohnen, sozialer Wohnungsbau, Barrierefreiheit, energetische Sanierung und die Schaffung zusätzlichen Wohnraums für Auszubildende, Studierende, Familien und ältere Menschen.
Die AfD knüpft mit ihrem Architekturverständnis an ein romantisierendes Heimatbild an, das gesellschaftliche Vielfalt ausblendet und historische Entwicklungen verklärt. Der Präsident der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern, Christoph Meyn, hat in einem aktuellen Interview deutlich gemacht, dass Architektur im 21. Jahrhundert kein Ergebnis staatlich verordneter Stilvorgaben sein kann. Baukultur entsteht durch demokratische Aushandlungsprozesse, Beteiligung, kommunalen Dialog und die Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen. Identität lasse sich nicht einfach verordnen oder in Fassaden gießen. Sie müssen gemeinsam entwickelt werden.
Heimat entsteht dort, wo Menschen unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Lebensentwurf gut zusammenleben können.
Heimat bedeutet für Die Linke bezahlbare Wohnungen, lebendige Ortskerne, funktionierende Infrastruktur, kulturelle Teilhabe und demokratische Mitbestimmung. Der Schutz historischer Bausubstanz und regionaler Baukultur gehört selbstverständlich dazu. Er darf jedoch niemals von einem kritischen Geschichtsbewusstsein getrennt werden und schon gar nicht für nationale oder völkische Erzählungen instrumentalisiert werden.
Die Linke führt keine baupolitischen Scheindebatten. Wir ringen um eine moderne Baupolitik, die soziale Gerechtigkeit, ökologische Verantwortung und baukulturelle Qualität miteinander verbindet. Völkische Architekturkonzepte hingegen gehören nicht in die Zukunft unseres Landes. Sie sind ein Irrweg aus der Vergangenheit. Solcherlei toxischen Ideen müssen in den Asbest-Recyclingcontainer.“
