Rohstoff Holz als nachhaltigen Energieträger im Interesse des ländlichen Raumes und der Waldeigentümer zur Produktion von Strom und Wärme stärken

Daniel Seiffert
Daniel SeiffertRede

Sehr geehrte Frau Präsidentin,
meine Damen und Herren, sehr geehrte Damen und Herren der CDU-Fraktion,
ich gehe nicht davon aus, dass Sie davon ausgehen, meine Fraktion unterstützt Ihren Antrag.
Trotzdem möchte ich mich gleich vorweg bei Ihnen bedanken, dass Sie heute das Heizen im
ländlichen Raum in den Mittelpunkt der Diskussion stellen. Denn tatsächlich ist das Heizen
mit Biomasse, also entweder mit Scheit- oder Pelletheizungen, relativ verbreitet im ländlichen
Raum. Ich kenne sogar einige Beispiele von Bewohner*innen im ländlichen Raum, die im
Zuge der drohenden Öl- und Gasmangellage und den geradezu explodierten Preisen für diese
fossile Energieträger als direkte Folge des unsäglichen Angriffskrieges Russlands auf die
Ukraine, auf Pelletheizungen umgestellt haben. Und natürlich muss Mecklenburg-
Vorpommern all seine Einflussmöglichkeiten nutzen, dass sich dieser Umstieg nicht als
völlige Fehlinvestition erweist und eine weitere Nutzung auch noch in 20 Jahren möglich
bleibt.
Im Gegensatz zu Ihrer Fraktion verstehen wir das Verbrennen von Biomasse nicht als eine der
wenigen, vernünftigen und nachhaltigen Alternativen, um Ein- und Mehrfamilienhäuser im
ländlichen Raum zu beheizen. Und ich persönlich halte das Verbrennen von Biomasse nicht
für nachhaltig. Heizen mit Holz hat zwar in der schönen Theorie eine ausgeglichene
Klimabilanz. Denn bei der direkten Verbrennung wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie der
Baum vorher aufgenommen hat. Lange Transportwege, steigende Nachfrage, Pelletierung
unter Energieeinsatz und Holz aus nicht zertifizierten Quellen verhageln die Umweltbilanz-
und Klimabilanz dieses Brennstoffs deutlich. Im Übrigen finde ich es nicht gerade sinnvoll,
die Forstwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern auf die Produktion von Brennstoffen als ein
Hauptzweig auszurichten. Klimawandel und steigende Nachfrage nach Brennholz verringern
zudem den Waldbestand. Vielmehr sollten wir hier gemeinsam die Umstellung der hiesigen
Forste zu Dauerwäldern unterstützen, zuvorderst eine stoffliche Nutzung und dann eine
Kaskadennutzung von Holz zu fördern als vermehrt Holz als alternativen Baustoff zu nutzen.
Denn solange das Holz nicht verbrannt wird oder natürlich verrottet, bleibt das CO2 darin
gespeichert und der Wald kann tatsächlich als CO2-Senke genutzt werden - vorausgesetzt wir
mehren den Wald in Mecklenburg-Vorpommern. Deshalb kommt es für mich darauf an, dass
maximal am Ende der Kaskadennutzung eine energetische Verwertung von Holz stattfindet
und die Biomasse unserer Wälder zu mehren und nicht zu reduzieren. Deshalb setzen wir uns
ja auch gemeinsam mit unserem Koalitionspartner für Neuaufforstung und Dauerwälder in
Mecklenburg-Vorpommern ein. Natürlich stimmt es, wenn sie in der Begründung des Antrags
schreiben, ich zitiere: „Vor allem in den ländlichen Regionen wird Holz als Brennstoff zur
Wärmegewinnung genutzt. Im Rahmen der nachhaltigen Bewirtschaftung unserer Wälder
fallen zwingend Holzsortimente an, die sich ökonomisch sinnvoll nur als Brennstoff nutzen
lassen.“ Aber das steht leider so nicht in ihrem Antrag. So etwas kann ich nur in der
Antragsbegründung lesen, die bekanntlich nicht Beschlusslage wird. Dazu wissen sie genau
wie ich, dass diese Abfall- oder Resthölzer den Bedarf für alle jetzt bereits bestehenden
Scheit-, Pellet- oder Hackschnitzelheizungen nicht decken können. Schon jetzt ist es ja Fakt,
dass zum Beispiel das Biomasseheizkraftwerk in Neustrelitz seinen Bedarf nicht nur aus der
näheren Umgebung decken kann und muss. Wenn dieser Sektor also noch weiter ausgebaut
wird, werden die Preise für Energieholz ebenso weiter stetig steigen wie die notwendigen
Importe. Auch deshalb lehnen meine Fraktion und ich Ihren Antrag ab.
Ebenso schreiben Sie in die Begründung des Antrags, ich zitiere wieder: „Gerade die
aktuellen Forderungen des Umweltbundesamtes (UBA) und verschiedener
Umweltorganisationen zur Nichtnutzung von Holz als Energieträger lassen vermuten, dass im
Zuge künftiger Novellierungen des EEG oder des GEG ein Verbot von Holz als Energieträger
normiert oder erschwert wird.“ Dazu kann ich nur sagen, dass Sie geradezu Gegenteiliges
zum Beispiel beim BMEL lesen können. Dort wird die Bedeutung von Holz als Energieträger
sehr hoch eingeschätzt. Allerdings ist man auch im BMEL der Auffassung, dass nur so viel
Holz – egal zu welchem Zweck – den hiesigen Wäldern entnommen werden sollte, wie auch
tatsächlich nachwächst. Ich wiederum bin der Meinung, dass bei einem stetig steigenden
Bedarf eben aus anderen Regionen Europas oder aus anderen Regionen der Welt Energieholz
importiert werden müsste. Und dass sollten wir nicht unterstützen, nur um in Deutschland
schneller klimaneutral Heizen zu können. Das wäre ein Bärendienst, welchen wir dem
Weltklima erweisen würden. Außerdem werden meine Fraktion und ich nicht zustimmen auf
ein bloßes Vermuten seitens der CDU hin, dass ein Verbot von Holzheizungen im Raume
steht.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und betone zuletzt nochmals, dass bestehende
Holzheizungen in unserem Land weiter erhalten bleiben sollen. Von einem weiteren Ausbau
des Verbrennens von Holz würde ich persönlich abraten. Da gibt es viel bessere Zwecke, den
wertvollen Rohstoff Holz zu nutzen und dies dann tatsächlich nachhaltig.