Umsetzung der Inklusion in der Bildung ist ein längerer Prozess
Zur Entscheidung des Ministerpräsidenten, den Modellversuch zur Integration von Förderschülern in Grundschulen gegenwärtig nicht auf den Schulamtsbereich Greifwald auszuweiten, erklärte der bildungspolitische Sprecher der Linksfraktion Andreas Bluhm:
„Diese Entscheidung des Ministerpräsidenten kommt spät, ist aber richtig. Wir haben immer kritisiert, dass die Rahmenbedingungen für dieses Projektnicht klar sind, und der Verdacht, damit erneut Einsparungen im Bildungsbereich vorzunehmen, ist nicht ausgeräumt. Die Rahmenbedingungen sind von entscheidender Bedeutung für die Akzeptanz und Motivation vor allem der beteiligten Lehrkräfte und Eltern. Dazu gehört auch die Einbeziehung der Schulträger. So wichtig eine Neuordnung der Förderung ist, so muss sie doch gut vorbereitet sein. Für uns ist die Umsetzung der Inklusion in der Bildung ein längerer Prozess, bei dem es vor allem darauf ankommt, die Maßnahmen auf Grundlage eines schlüssigen Gesamtkonzepts gut vorzubereiten und aufeinander abzustimmen. Aktionismus demotiviert Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte.
Für eine überhastete Ausweitung auf den Schulamtsbezirk Greifswald zum 1. August 2011 spricht auch, dass die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des Modellversuchs auf Rügen erst Ende 2011 vorliegen sollen. Offenbar geht es dem Bildungsminister nur darum, die Anzahl der Förderschülerinnen und -schüler zu reduzieren, für die er immer wieder zu Recht kritisiert wird. Sie ist bundesweit nach wie vor am höchsten.
Mit Blick auf die Veränderungen beim Referendariat und den nun in den Landtag von den Koalitionsfraktionen eingebrachten Entwurf eines bereits seit 2008 angekündigten Lehrerbildungsgesetzes, kann man nur noch von ungezügeltem Aktionismus sprechen. Das hat mit einer kontinuierlichen und planmäßigen Bildungspolitik nichts mehr zu tun. Es ist vielmehr Ausdruck einer massiven Torschlusspanik, die zu Lasten von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften geht.“
