Neue Pestel-Studie belegt dramatischen Wohnungsmangel – Wohnen ist soziale Kernfrage und entscheidende Wirtschaftsfrage
Die neuste Studie des Pestel-Instituts zeichnet ein alarmierendes Bild der Wohnungsversorgung in Deutschland, erklärt der wohnungs- und baupolitische Sprecher der Linksfraktion, Dr. Daniel Trepsdorf:
„Demnach fehlten bereits Ende 2024 bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen. Trotz steigenden Bedarfs ist in den kommenden Jahren lediglich mit etwa 200.000 Neubauten jährlich zu rechnen – nur etwa der Hälfte dessen, was tatsächlich benötigt würde. Der Wohnungsmangel hat sich damit zu einer massiven sozialen Belastung und zugleich zu einer handfesten Bremse für das gesamtwirtschaftliche Vorankommen entwickelt. Bezahlbarer Wohnraum wird knapper, Mieten steigen, und immer mehr Bevölkerungsgruppen werden vom Wohnungsmarkt verdrängt. Besonders betroffen sind junge Menschen, Auszubildende und Studierende, ältere Menschen mit geringen Renten sowie Menschen mit Behinderung. Wohnen ist längst nicht mehr nur eine private Frage, sondern eine der zentralen sozialen Gerechtigkeitsfragen unserer Zeit.
Auch wenn die Studie darauf hinweist, dass die Wohnungsnot in Ostdeutschland insgesamt weniger ausgeprägt ist als in vielen westdeutschen Bundesländern, darf sich Mecklenburg-Vorpommern darauf nicht ausruhen. Gerade die vergleichsweise starke kommunale und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft in den neuen Ländern zeigt, dass politische Gestaltung wirkt. Sie ist jedoch kein Selbstläufer.
Die Pestel-Studie macht deutlich, dass Wohnungsmangel nicht nur soziale Härten erzeugt, sondern auch wirtschaftliche Entwicklung hemmt. Wenn Fachkräfte keine Wohnung finden oder einen immer größeren Teil ihres Einkommens für Miete aufbringen müssen, leidet die Attraktivität des Landes als Arbeits- und Lebensort. Wer Wohnen vernachlässigt, gefährdet damit auch Wachstum, regionale Entwicklung und soziale Stabilität.
Wir fordern deshalb einen grundlegenden Kurswechsel in der Wohnungspolitik. Wohnen muss als öffentliche Aufgabe begriffen werden, die aktiv gestaltet wird – sozial, beteiligungsorientiert und langfristig.
Die Pestel-Studie macht unmissverständlich klar: Das Hauptproblem ist nicht Migration, sondern Wohnungsnot. Wer gesellschaftlichen Zusammenhalt sichern will, muss Wohnen ins Zentrum politischer Entscheidungen rücken. Mecklenburg-Vorpommern hat die Chance, mit einer sozial gerechten, partizipativen und zukunftsorientierten Wohnungspolitik einen eigenen Weg zu gehen.“
