Mythos „Lifestyle-Teilzeit“ entzaubert – Teilzeit in MV ist weiblich und oft unfreiwillig

Henning FoersterPressemeldungen

Zur Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage „Teilzeitbeschäftigung in Mecklenburg-Vorpommern“ (Drucksache 8/6273) erklärt der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linksfraktion, Henning Foerster:

 

„Die Zahlen zeigen deutlich, dass die vom Wirtschaftsflügel der CDU angestoßene Debatte um eine vermeintliche ‚Lifestyle-Teilzeit‘ völlig an der Lebensrealität der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern vorbei geht. Wer glaubt, die Beschäftigten im Land würden ihre Arbeitszeit reduzieren, um sich auf die faule Haut zu legen, verkennt die harten Fakten.

 

Teilzeit ist hierzulande nach wie vor meist ungewollt und weiblich. Von den insgesamt 256.284 Teilzeitbeschäftigten im Juni 2025 waren mit 179.611 weit mehr als zwei Drittel Frauen. Während für Männer oft Aus- und Weiterbildung im Vordergrund stehen, folgt die Entscheidung in Teilzeit zu arbeiten bei Frauen meist anderen Motiven. Oft geht es um familiäre Notwendigkeiten, wie die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen.

 

Bundesweite Daten zeigen, dass fast 30 Prozent der Frauen aufgrund der von ihnen verrichteten Sorgearbeit kürzertreten. Hingegen will aktuell nur ein verschwindend geringer Anteil von 3,2 Prozent der Vollzeitbeschäftigten seine Arbeitszeit reduzieren, um sich besser seinen Freizeitaktivitäten widmen zu können. Besonders deutlich wird das Problem in Branchen mit extremen Belastungen oder einseitigen Vertragsstrukturen.

 

Im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten über 67.000 Menschen und damit die Hälfte der Beschäftigten in Teilzeit. Viele von ihnen können die körperliche und psychische Last einer Vollzeitstelle schlicht nicht dauerhaft tragen. Im Handel sind es, mit 43.000 Betroffenen, ebenfalls rund die Hälfte der Beschäftigten. Hier sind Vollzeitverträge oft Mangelware. Viele Verkäuferinnen stecken in einer Teilzeitfalle fest, weil Einzelhandelsketten oft gar keine vollen Stellen anbieten.

 

Wer echte Aufstiegsmobilität und mehr Arbeitsstunden will, darf nicht über die Abschaffung vom Recht auf Teilzeit schwadronieren. Stattdessen müssen die Rahmenbedingungen in Sachen Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben weiter verbessert werden. Eine verlässliche und weiterhin kostenfreie Kitabetreuung sowie eine gut ausgebaute Pflegeinfrastruktur sind Grundvoraussetzungen dafür, dass Teilzeit tatsächlich gewählt werden kann und nicht erzwungen wird. Es ist zudem ein ökonomisches Eigentor, den Rechtsanspruch auf Teilzeit infrage zu stellen. In Zeiten des Fachkräftemangels sind flexible Arbeitszeitmodelle, die Beachtung des betrieblichen Arbeitsschutzes und eine professionelle Belastungssteuerung entscheidende Faktoren für die Gewinnung von Personal.“