Keine Pflicht zum Sterben: Gegen Zwangsdienste und die Militarisierung unserer Jugend!

Torsten KoplinPressemeldungen

Zu den heutigen Schüler:innenstreiks gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und die Militarisierung der Gesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern erklärt der friedenspolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag Mecklenburg‑Vorpommern, Torsten Koplin:

„Wer angesichts zu geringer Rekrutenzahlen für die Bundeswehr ernsthaft über die Wiedereinführung der Wehrpflicht philosophiert, zeichnet keinen ‚Silberstreif am Horizont‘, sondern baut eine bedrohliche Kulisse auf, die sich immer schneller auf die junge Generation zubewegt. Hinter der schöngefärbten Rede von ‚Bürgerpflicht‘ und ‚Dienst an der Gesellschaft‘ steckt am Ende eine einfache Botschaft: Wenn ihr euch nicht freiwillig meldet, zwingen wir euch. Das ist ein Frontalangriff auf das Recht junger Menschen, selbst über ihr Leben und ihre Zukunft zu bestimmen.

Schulen sind Orte des Lernens, nicht der Rekrutierung. Es ist unerträglich, dass die Bundeswehr in Klassenzimmern um Kanonenfutter wirbt, während draußen über die Reaktivierung der Wehrpflicht nachgedacht wird. Wer heute die Schulen für Imagekampagnen der Armee öffnet, bereitet morgen den Boden für Musterungsbescheide und Einberufungsbefehle. Wer die Bundeswehr in Schulen sprechen lässt, muss zugleich die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsgegner:innen oder Vertreter:innen der Ärzte gegen den Atomkrieg sprechen lassen – das sind wir unserer Geschichte und Demokratie schuldig.

Ob Militärdienst oder angeblich ‚neutraler‘ Pflichtdienst im Zivilen: Zwangsdienst bleibt Zwangsdienst. Heute wird mit dem Militär begonnen, morgen sind junge Menschen der billige Lückenbüßer für kaputtgesparte soziale Strukturen. Wer wirklich ernsthaft etwas für Pflege, Bildung und Soziales tun will, muss gute Löhne, gute Arbeitsbedingungen und verlässliche Finanzierung durchsetzen – nicht Jugendliche per Gesetz zur Arbeit kommandieren.

Die Geschichte dieses Landes ist voll von warnenden Beispielen: Von der Schulbank in den Schützengraben à la 1918/1939 darf sich nicht wiederholen – dieser Weg hat millionenfaches Leid erzeugt. ‚Nie wieder‘ heißt: nie wieder eine militarisierte Gesellschaft, in der das Leben junger Menschen der ‚Sicherheitspolitik‘ und den Profiterwartungen der Rüstungsindustrie geopfert wird. Das Leben von Jugendlichen ist mehr wert als jeder Aktienkurs von Rheinmetall, mehr wert als jede neue Panzerbrigade und jedes ‚Sondervermögen‘ für Waffen.

Wir brauchen eine Politik, die jungen Menschen Zukunft schenkt statt Einberufungsbescheide: kostenlose Bildung, sichere Ausbildungs‑ und Studienplätze, soziale Sicherheit, Klimaschutz und Frieden statt Aufrüstung. Die Vorstellung, im kalten Matsch eines Schlachtfeldes für die Profitinteressen einiger weniger Überreicher sterben zu sollen, ist ein Hohn auf jede Rede von ‚Freiheit‘ und ‚Demokratie‘.

Ich stelle mich an die Seite der Schüler:innen und sage: Nein zur Wiedereinführung der Wehrpflicht! Nein zu allen Zwangsdiensten! Ja zu einer friedlichen, solidarischen Gesellschaft, in der niemand für die Interessen von Konzernen in den Krieg geschickt wird!

Ihr habt recht mit eurem Protest – und ihr habt unsere volle Unterstützung! Macht weiter.“