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Heimspiel in der Kunsthalle Rostock – Was hat Fußball mit Kunst zu tun?

Elke-Annette SchmidtPressemeldungen

Zur Ausstellung „Rund & Eckig – Manchmal dreckig – 60 Jahre F.C. Hansa“ erklärt die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Elke-Annette Schmidt: 

 „Die Ausstellung ist mehr als eine Rückschau auf sportliche Triumphe und tragische Abstiege – sie bringt alles aufs Spielfeld: Geschichte, Emotion, Politik, Kunst und Kontroverse. Sie ist ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, Fußball nicht nur zu fühlen, sondern auch zu verstehen – in all seinen Facetten, Widersprüchen und Möglichkeiten.

Der F.C. Hansa Rostock ist für viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern ein Identifikationsanker. Die Ausstellung dokumentiert auf über 2000 Quadratmetern, wie sehr der Verein mit der Geschichte der Region verflochten ist: von der Gründung 1965, über die DDR-Oberliga, den Aufstieg in die Bundesliga bis hin zum heutigen Kampf in der 3. Liga.

Zahlreiche Zeitzeugenberichte, Originalexponate wie Trikots, Pokale, Graffiti, Fotowände und Fangesänge machen die Geschichte lebendig. Auch gesellschaftliche Themen wie Kommerzialisierung, die Rolle von Frauen im Fußball, die Bedeutung von Fanarbeit und ehrenamtlichem Engagement werden nicht ausgespart.

Was hat Fußball mit Kunst zu tun? Die Antwort liegt nicht in einem Vergleich, sondern in einer Verbindung. Fußball ist – wie Kunst – ein Ausdruck von Lebensgefühl, von Gemeinschaft und Identität. Im Stadion wie im Atelier geht es um Kreativität, Ästhetik, Spannung, Scheitern und Hoffnung. Und um Geschichten – große, kleine, bittere, komische, dramatische.

Die Kunsthalle Rostock bringt diese Gemeinsamkeiten eindrucksvoll zur Geltung. Werke von renommierten Künstlerinnen und Künstlern wie Birgit Brenner, Hans Ticha, Ingeborg Lüscher und der Gruppe Famed interpretieren Fußball als Massenphänomen, als soziale Bewegung, als Spiegel der Gesellschaft. Installationen wie ‚Passion rules the game‘ – ein dynamisches Kunstwerk aus originalen Stadionsitzen, das per Luftdruck eine La-Ola-Welle simuliert – machen deutlich: Kunst kann Stadionstimmung nicht nur zeigen, sondern spürbar machen.

Die Ausstellung klammert auch die dunkleren Kapitel der Vereinsgeschichte nicht aus. Die Verstrickung des DDR-Fußballs mit der Staatssicherheit wird erstmals in dieser Form aufgearbeitet. Spieler, Trainer und Fans wurden nicht nur überwacht, sondern teilweise manipuliert – durch Einfluss auf Karrieren, Spielereinsätze und Vereinsentscheidungen.

Ein weiterer Schwerpunkt: Gewalt in der Fanszene. Unter dem Titel ‚Rowdys, Hooligans, Ultras‘ werden Polizeiberichte, Fotos und künstlerische Arbeiten gezeigt, die sich mit der Eskalation von Gewalt, aber auch mit dem Zusammenhalt unter Fans beschäftigen. Eine Videoinstallation von Birgit Brenner thematisiert eindrucksvoll, wie Gruppendruck entsteht – ein Thema, das weit über den Fußball hinausweist. Die Ausstellung beschönigt nichts – sie benennt, erklärt, hinterfragt. Kritische Erinnerungskultur heißt nicht Abrechnung, sondern Verstehen ermöglichen. Genau das gelingt hier auf beeindruckende Weise.

Die Ausstellung zeigt: Sport ist politisch. Fußball war nie neutral – er war immer ein Spiegel der Verhältnisse. Und Hansa ist Teil dieser Geschichte. Deshalb ist es so wichtig, dass sie jetzt in der Kunsthalle erzählt wird – ehrlich, offen und ansprechend für alle Generationen. Diese Ausstellung ist ein Muss – nicht nur für Fans. Sie zeigt, wie Fußball verbindet, bewegt, spaltet und vereint.“

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