Großer Unterschied zwischen arbeiten wollen und arbeiten müssen
Zur aktuellen Debatte um die demografische Entwicklung, künftigen Arbeitskräftebedarf und der Rente erst ab 67 Jahre erklärt die seniorenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Irene Müller:
„Zwischen arbeiten wollen und arbeiten müssen besteht ein himmelweiter Unterschied. Und darin liegt die Krux bei den anhaltenden Diskussionen um die Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Wenn Politik und Wirtschaft erklären, dass ältere Menschen länger arbeiten sollen, dann müssen sie auch die Voraussetzungen dafür schaffen. Dies kann und darf jedoch nicht mit einem Zwang zur Arbeit bis 67 Jahre verbunden werden.
Die Bundesagentur für Arbeit verweist zu Recht darauf, dass die Unternehmen die Notwendigkeit und auch die Vorteile, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu beschäftigen, nur zögerlich erkennen. Lediglich 3,7 Prozent der Beschäftigten in MV sind zwischen 60 und 64 Jahre alt, im Bundesdurchschnitt sind es 4 Prozent. Dass der Anteil der Älteren an den Beschäftigten weiter steigen wird, ist kein Argument für die Rente erst ab 67, sondern der demografischen Entwicklung geschuldet. Wenn immer weniger junge Beschäftigte nachwachsen, dann steigt natürlich der Anteil der älteren.
Die heutige Diskussion um die Rente erst ab 67 ist unehrlich, denn die Verlängerung der Lebensarbeitszeit ist de facto ein Rentenkürzungsprogramm zu Lasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Statt Klientelpolitik für Besserverdienende und Großkonzerne zu betreiben, sollte sich die Bundesregierung für gesunde,existenzsicherndeArbeitsplätze, die Anerkennung der Lebensleistung und armutsfeste Renten einsetzen.“
