Filmkultur braucht Verlässlichkeit

Elke-Annette SchmidtPressemeldungen

Zur Neuaufstellung des Kinopreises erklärt die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Elke-Annette Schmidt:

 

„Die Linksfraktion im Landtag Mecklenburg-Vorpommern ist überrascht über die Entscheidung des Ministeriums für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten, der Filmland MV gGmbH die Organisation des Kinokulturpreises Mecklenburg-Vorpommern zu entziehen.

Seit 2020 war die Filmland MV gGmbH laut Landtagsbeschluss ausdrücklich mit der strategischen Planung im Bereich Kino betraut – insbesondere mit dem Ziel, Kinos und Abspielringe im ländlichen Raum als Begegnungsorte der Kultur zu stärken. Sie hat seit ihrer Beauftragung wichtige Impulse für die Kinolandschaft in Mecklenburg-Vorpommern gesetzt. Mit dem landesweiten MV-Kinotag wurde ein Format geschaffen, das erstmals alle Kinos im Land öffentlichkeitswirksam miteinander verband. Auch die Erstellung und Pflege einer umfassenden Kinodatenbank trug zur besseren Sichtbarkeit und Vernetzung der Spielstätten bei.

Darüber hinaus stand mit Fabian Liebenow ein kompetenter Ansprechpartner für die persönliche Beratung der Kinos zur Verfügung – als sogenannter ‚Kinokümmerer‘. Nicht zuletzt organisierte die Filmland MV eine bundesweit beachtete Vernetzungsarbeitzwischen gewerblichen und nicht-gewerblichen Kinos, die wesentlich zur Stärkung der Kinolandschaft beitrug. Der Kinokulturpreis MV, seit 2019 von der Filmland MV verantwortet, wurde jährlich an rund 30 Spielstätten vergeben und mit 100.000 Euro dotiert. Die Preisvergabe war eingebettet in eine kulturelle Rahmung, in enge Kontakte zur Szene und in eine dialogorientierte Förderkultur. Sie war zentraler Bestandteil der strategischen Kinoplanung. Demnach ist zu befürchten, dass auch diese von der landeseigenen MV Filmförderung GmbH übernommen wird – eine Gesellschaft, die bisher zwar für Fördermittelvergabe zuständig ist, jedoch nicht über die inhaltliche Nähe zur Kinoszene, die Netzwerke und das kulturpädagogische Profil der Filmland MV verfügt. Das Ministerium begründet die Entscheidung zum Kulturpreis mit zuwendungs- und vergaberechtlichen Fragen. Eine transparente Auswertung der bisherigen Praxis liegt nach unserem Wissen nicht vor.

Die Linksfraktion hält diesen Schritt darum für kulturpolitisch überdenkenswert, auch im Hinblick auf die Umsetzung des bestehenden Landtagsbeschlusses von 2020, der die Filmland MV explizit mit der strategischen Kinoplanung betraut hat. Die Filmland MV gGmbH hat über Jahre hinweg bewiesen, dass sie in der Lage ist, Filmkultur nicht nur zu verwalten, sondern zu gestalten – mit Herzblut, mit Vernetzung, mit Kreativität.

Die Linksfraktion ist der Ansicht, dass der strategische Auftrag an die Filmland MV gGmbH erhalten bleiben muss, der Kinokulturpreis weiterhin in ihrem Kontext vergeben wird und die Entwicklung eines landesweiten Leitbilds für das Filmland MV unter Einbeziehung aller Akteur:innen notwendig ist. Ein solcher Dialog ist Voraussetzung dafür, dass Mecklenburg-Vorpommern auch künftig ein vielfältiges, lebendiges und zugängliches Kinoland bleibt.“