Fallschirmjäger‑Skandale: Das ist kein Unfall, das ist Systemversagen 

Torsten KoplinPressemeldungen

Zu aktuellen Vorfällen in der Bundeswehr im Zusammenhang mit Extremismus, sexuellen Übergriffen und Drogenmissbrauch erklärt der friedenspolitische Sprecher und parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Torsten Koplin:

„Die Bundeswehr hat ein Traditionsproblem – und zwar eins, das von den kannibalischen Blutwurst-Sessions der Gebirgsjäger bis zu Schikane, Nazi‑Traditionen und Netzwerken im KSK reicht. Es brennt nicht nur an den Rändern.

Dass ausgerechnet dort, wo „Elite“ und „Kameradschaft“ großgeschrieben werden, Enthemmung, Sexismus, nackte Gewalt und Rechtsaußen‑Romantik immer wieder durchbrechen, ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer verrotteten Inneren Führung. Das ist das gleiche perverse Männlichkeitsspiel, das sich auf Berggipfeln, in Biwaklagern und Kasernenhöfen seit Jahrzehnten austobt: Wer dominiert, wer schikaniert, wer „härter“ ist als der andere – Demokratie und Menschenwürde bleiben auf der Strecke.

Es ist nicht das erste Mal, und es wird auch nicht das letzte Mal sein, dass sich wieder alles in Betroffenheitsfloskeln, Untersuchungskommissionen und ein bisschen „Fortbildung“ erschöpft. Man kann keine demokratische Republik mit Strukturen verteidigen lassen, in denen rechte Seilschaften, soldatischer Korpsgeist und toxische Männlichkeit wichtiger sind als Grundrechte, Gleichberechtigung und Antifaschismus. Faschisten in Uniform werden eine Demokratie nie verteidigen wollen und können – sie träumen von einer anderen Republik, wie uns die weitsichtigen „Kameraden“ von Nordkreuz bewiesen haben.

Wer es ernst meint mit „wehrhafter Demokratie“, muss die Armee anders denken: demokratisch kontrolliert, grundrechtsfest, durchsetzt mit klaren antifaschistischen Leitlinien und Konsequenzen, die ihren Namen verdienen – inklusive Entwaffnung und Entlassung für alle, die mit Nazi‑Symbolik, Schikane und Gewalt auffallen. 

Der Worthülse „Innere Führung“ müssen endlich freiheitlich‑demokratische Überzeugungen folgen, die gelebt und durchgesetzt werden – vom Gefreiten bis zum General. Vor dem Hintergrund der geostrategischen Bedrohungen durch Despoten, Ost wie West, ist eine wirklich demokratische Armee dringender nötig denn je – oder Europa wird am Ende zwischen autoritären Blöcken zerrieben, während in deutschen Kasernen weiter alte Geister gepflegt werden – vor dem Hintergrund der eigenen Geschichte, kein gutes Zeichen an unsere Verbündeten. Wir dachten, nach 70 Jahren Bundeswehr sei man weiter, aber der Schatten von Kaiserreich und Naziherrschaft scheint verdammt lang zu sein. Solange das so bleibt, bleibt jede Sonntagsrede über „Verantwortung in der Welt“ hohl – und die nächste Entgleisung nur eine Frage der Zeit.“