Antisemitismus erkennen und mit aller Entschiedenheit bekämpfen
Zum Jahresbericht „Antisemitische Vorfälle in Mecklenburg-Vorpommern 2024“ der Dokumentations- und Informationsstelle Antisemitismus (DIA.MV) erklärt die Vorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Jeannine Rösler:
„Meine Fraktion dankt dem Team von DIA.MV ausdrücklich für die erneute Erstellung eines unabhängigen und umfassenden Monitoring-Berichts zu antisemitischen Vorfällen in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2024. Antisemitismus ist kein historisches Relikt, sondern ein gegenwärtiges, vielschichtiges und tief verwurzeltes gesellschaftliches Problem, das mit aller Entschiedenheit bekämpft werden muss – politisch, zivilgesellschaftlich und insbesondere auch durch Bildung. Der Bericht zeigt in bedrückender Deutlichkeit, dass Jüdinnen und Juden auch bei uns mit Anfeindungen, Bedrohungen und Diskriminierung konfrontiert sind – in der Schule, im öffentlichen Raum, auf Social Media oder bei Demonstrationen.
Dies macht deutlich, wie essenziell fundierte historische Bildung, kritisches Denken, eine sensible Didaktik und eine menschenrechtsorientierte Pädagogik sind. Die Lehren aus dem Holocaust sind nicht reine Erinnerungskultur, sondern müssen auch Gegenwartsanalyse sein. Sie befähigt Schülerinnen und Schüler dazu, Mechanismen von Ausgrenzung, Verschwörungsdenken und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu erkennen und ihnen aktiv entgegenzutreten. Das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern hat auf diese Herausforderungen reagiert und eine Handlungsempfehlung zur Vermittlung der Thematik in der Grundschule herausgegeben. Diese bietet neben pädagogischen Leitlinien auch konkrete Unterrichtsmaterialien, die kindgerecht an die Themen Antisemitismus, jüdisches Leben und Erinnerungskultur heranführen.
Antisemitismus gefährdet unsere offene Gesellschaft, untergräbt demokratische Institutionen und vergiftet das gesellschaftliche Klima. Auch deshalb haben wir den Schutz und die Förderung jüdischen Lebens explizit in der Landesverfassung verankert sowie den Landesaktionsplan gegen Antisemitismus auf den Weg gebracht. Unsere Solidarität darf nicht abstrakt bleiben – sie muss sich in konsequenter Aufklärung, in einer entschlossenen Haltung und in einer Bildungspolitik niederschlagen, die jüdisches Leben schützt, stärkt und sichtbar macht. Denn: Es darf nicht wieder geschehen. Aber es kann wieder geschehen. Und deshalb dürfen wir niemals aufhören, zu erinnern, zu bilden – und zu handeln.“
