Antifa-Recherche sorgte für große Augen in den Behörden und schwitzige Hände unter den Neonazis.
Zur heutigen Sitzung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) zur Aufklärung der NSU-Aktivitäten und weiterer rechtsterroristischer Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern erklärt der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Michael Noetzel:
„Die Selbstenttarnung des NSU im November 2011 wurde zur größten Niederlage von Polizei und Verfassungsschutz. Die gesamte Sicherheitsarchitektur hat versagt. Zehn Menschen haben durch die rassistische Terrorserie ihr Leben verloren. Unter diesem Eindruck machte sich in der Folge das Bundeskriminalamt (BKA) im Auftrag des Generalbundesanwalts auf die Suche nach bislang unentdeckten rechten Terrorgruppierungen. In den Fokus geriet dabei auch das militante Netzwerk ‚Combat 18‘, das sich selbst als bewaffneten Arm der verbotenen ‚Blood&Honour‘-Bewegung bezeichnet und auch in Mecklenburg-Vorpommern aktiv war.
Das BKA hatte laut heutigem Zeugen nur sehr begrenzte Mittel, dieses offen gewalt- und terrorpropagierende Netzwerk aufzuklären. Eine feste Struktur mit einem gemeinsam artikulierten Gruppenwillen sei nicht feststellbar gewesen. Die Wende kam offenbar mit einer buchstarken Veröffentlichung eines Antifa-Recherche-Netzwerks. ‚EXIF-Recherche‘ legte dabei bis ins kleinste Detail die Akteure und Strukturen von ‚Combat 18 – Deutschland‘ offen, veröffentlichte Kontoauszüge mit Mitgliedsbeiträgen und interne Verhaltensregularien. Ermittler bekamen offenbar große Augen und die Neonazis schwitzige Hände.
Wir wissen, dass sich eine Führungsperson von ‚Combat 18 – Deutschland‘, der aus Greifswald stammende Stanley R., hilfesuchend an einen Gründer des internationalen Netzwerks, William B., wandte, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Innerhalb der Sicherheitsbehörden schien die Arbeit angesichts der Informationsfülle, die von heute auf morgen im Internet frei abrufbar war, nochmals Fahrt aufzunehmen. Ich bin davon überzeugt, dass
diese Antifa-Recherche von EXIF einen nicht unwesentlichen Anteil am Verbot von ‚Combat 18‘ im Januar 2020 hatte. Der Druck, zu handeln, stieg nach der Veröffentlichung – sowohl auf Seiten der Neonazis als auch auf Seiten der Behörden.“
