Hammerskins: Militant seit Jahrzehnten – verboten erst heute

Michael NoetzelPressemeldungen

Zum Verbot der „Hammerskins“ durch das Bundesinnenministerium erklärt der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Michael Noetzel:

„Das Verbot des militanten und international agierenden Untergrundnetzwerks der Hammerskins ist längst überfällig. Nicht erst seit heute, sondern bereits seit ihrer Gründung sind die Hammerskins ein elitär und klandestin agierender Bund von menschenverachtenden Neonazis. Neben der Organisation von Konzerten und der Verbreitung zutiefst antisemitischer, rassistischer und nationalsozialistischer Propaganda stehen diese auch immer wieder in Verbindung mit illegalen Aktivitäten.

Während die Hammerskins gerne im Verborgenen agieren und die Behörden die Geheimniskrämerei in der Regel deckten, veröffentlichte das antifaschistische Recherchekollektiv EXIF 2021 ein umfangreiches Dossier zu allen lokalen Ablegern der Hammerskins. Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist das militante Netzwerk mit gleich zwei sogenannten Chaptern aktiv.

Für den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum NSU und weiteren rechtsterroristischen Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern sind die Hammerskins seit jeher von besonderem Interesse. Mindestens ein Mitglied des Mecklenburger Chapters wurde bereits in den 1990er Jahren mit Wehrsportübungen in Verbindung gebracht, wobei sich der Hang zu illegalen Waffen offenbar über viele Jahre hielt. Mit der Eröffnung eines Neonazi-Geschäfts durch den mutmaßlichen Europachef der Hammerskins in Stralsund in zeitlicher Nähe zu den NSU-Raubüberfällen in der Hansestadt rückte auch das ‚Pommern‘-Chapter in das Zentrum der Frage, wie der NSU seine Tatorte auswählte. Eine Frage, die bis heute leider nicht beantwortet werden konnte.

Die Effizienz des heutigen Verbots wird sich am Umfang der Durchsuchungen und der Kontrolle von Nachfolgeaktivitäten messen lassen müssen. Es ist wohl der Sache kaum dienlich, wenn – wie beim Verbot von Combat 18 – etwaige Verbotsbestrebungen weit im Vorfeld ruchbar werden. Auch sollten Verbote eine Struktur wie die Hammerskins hart treffen und weniger am PR-Erfolg ausgerichtet sein.“