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Henning Foerster: Welterbe in Schwerin begleiten - Bedarfe für Tourismus ermitteln

Frau Präsidentin,

meine Damen und Herren!

der Weltkulturerbe-Antrag ist eines der wichtigsten Langfrist-Vorhaben der Landeshauptstadt. Warum die AfD ausgerechnet jetzt, zur letzten Landtagssitzung einen Antrag zu diesem Thema stellt, erschließt sich mir auch nach der Einbringungsrede nicht, zumal Sie ja auch einige Kollegen in ihren Reihen haben, die in Personalunion Stadtvertreter in Schwerin und Mitglieder des Landtags sind.

Daher habe ich unsere Fraktionsgeschäftsstelle im Stadthaus mal gebeten, zu schauen, wie viele Anträge der AfD-Fraktion es in den letzten sechs Jahren zum Thema Welterbe in der Stadtvertretung gegeben hat. Und als ob ich es nicht geahnt hätte, die Antwort lautet: Null.

Insofern scheint mir Ihr Aufschlag hier doch eher wahltaktischen Erwägungen zu folgen oder Sie haben einfach nur Ihren Schreibtisch aufgeräumt und einen Zettel gefunden auf dem stand, Liste der Themen zu denen ich immer schon mal reden wollte. Besonders erquicklich war das, was wir hier von Ihnen gehört haben allerdings nicht.

Doch ich will mich kurz auch inhaltlich mit Ihrem Antrag auseinandersetzen. Das Schweriner Residenzensemble präsentiert den Höhepunkt europäischer Schlossbaukunst des Historismus. Es entstand im 19. Jahrhundert als Konzept von Repräsentation und Funktion der Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin inmitten einer einmaligen Kulturlandschaft. Umgeben von Wasserflächen und Parkanlagen und mit vielfältigen Sichtachsen verbunden, lassen die Bauten der Hof- und Staatsverwaltung, Theater, Museum, Artilleriekasernen, Kirchen und Palais die Residenzstruktur noch heute erkennen.

Ausgangspunkt für das Engagement des Landes war übrigens ein Antrag der Fraktion Linkspartei. PDS auf Drucksache 5 Strich 479 vom 25. April 2007, der vom Landtag am 17. Oktober 2007 beschlossen wurde und unter Punkt 2 die Landesregierung auffordert, in enger Zusammenarbeit mit dem Landtag und in Abstimmung mit der Landeshauptstadt Schwerin, die erforderlichen Maßnahmen für die Aufnahme in die Welterbeliste zu ergreifen.

Seit 2014 steht Schwerin auf der deutschen Vorschlagsliste für zukünftige Nominierungen zur Aufnahme in die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt. Der Welterbe-Antrag muss bis zum Februar 2023 vorliegen, da nach dem veränderten Reglement der UNESCO nunmehr pro Vertragsstaat nur noch eine Welterbe-Stätte pro Jahr aufgenommen werden kann. Auf dem Weg dorthin hat es in der Vergangenheit trotz des herausragenden Engagements, insbesondere des Schweriner Welterbe Vereins, auch deutlich geruckelt.

Auch aufgrund verschiedener Initiativen aus der Mitte der Schweriner Stadtvertretung hat man sich inzwischen neu sortiert und eine neue Stabsstelle Weltkulturerbe direkt beim Oberbürgermeister eingerichtet und besetzt. Dies habe ich seinerzeit so verstanden, dass dem Thema politisch noch höheres Gewicht gegeben werden soll, so wie es die Stadtvertretung auch gefordert hatte. Das war wichtig und auch notwendig, schließlich geht es darum das komplizierte Antragsverfahren zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Und dafür braucht und bekommt die Landeshauptstadt auch die Hilfe des Landes, schon allein deshalb, weil sich viele Gebäude im Eigentum des Landes befinden und von diesem auch genutzt werden. Bezahlt werden unter anderem Personal- und Sachkosten im Zusammenhang mit der Antragsbeschreibung, dem Managementplan und der Öffentlichkeitsarbeit. Und wenn ein besonderes Gebäude saniert werden muss, wie zum Beispiel der Dom, wird ebenfalls Landesgeld zu Verfügung gestellt.

Insofern kann man natürlich immer mehr finanzielles Engagement fordern, muss dann aber auch ganz konkret benennen, an welche Summen in welcher Höhe da gedacht wird. Der Punkt römisch zwei arabisch eins Ihres Antrags ist da wenig hilfreich.

Dann fordern Sie eine Studie zum konkreten Nutzen für Wirtschaft und Tourismus. Das lässt einen dann ehrlich gesagt schon etwas ratlos zurück. Wie schon erwähnt, stehen wir seit 2014 auf der Vorschlagsliste und ich glaube kaum, dass man sich überhaupt auf den Weg gemacht hätte, wenn man sich nicht einen Schub für den Bekanntheitsgrad, die Wirtschaft und den Tourismus versprochen hätte.

Die Chancen hat der in Schwerin bekannte Architekt Joachim Brenncke schon 2016 detailliert beschrieben. Infolge des steigenden Bekanntheitsgrades der Landeshauptstadt Schwerin fällt potentiell die Werbung qualifizierter Fachkräfte leichter, neue Arbeitsplätze entstehen, höhere Steuereinnahmen können generiert werden, die Lebensqualität und die Identifikation mit der Heimatstadt steigen und nicht zuletzt steigen die Besucherzahlen und Übernachtungen in Schwerin und im Umland.

Das kann man auf der Homepage der Landeshauptstadt auch alles nachlesen und ist uns ja zum Beispiel auch aus den Welterbe-Städten Wismar und Stralsund oder auch Lübeck bekannt. Herr Brenncke hat im Übrigen auch mögliche Einschränkungen aufgrund des Welterbe-Status nicht verschwiegen. So kann die Anerkennung als Weltkulturerbe zu städtebaulichen Restriktionen bei Neubauvorhaben und Kostensteigerungen bei Instandsetzungsarbeiten führen. Das passiert, weil denkmalschutzrechtliche Auflagen, Sichtachsen oder Baustile stärker als bislang zu beachten sind.

Der Welterbe-Verein hatte deshalb in einem seiner letzten Stammtische vor der Corona-Pandemie auch die Welterbe-Managerin aus Lübeck zu Gast, die über ein hervorragendes Beteiligungsmanagement zu berichten wusste.

Und zum letzten Punkt Ihres Antrages nur so viel. Um zu erfahren, wie die Stadtverwaltung zur Frage der Aufnahme Schwerins in die Bäderverkaufsordnung steht, muss man nun wirklich nicht den Landtag bemühen. Da hätten Sie längst in der Verwaltung anrufen, eine entsprechende Anfrage an den Oberbürgermeister platzieren oder das persönliche Gespräch mit dem zuständigen Beigeordneten suchen können. Alles in allem hilft uns Ihr Antrag bei den Bemühungen, das Thema Welterbe voranzubringen, leider kein Stück weiter, weswegen wir ihn aus inhaltlichen Gründe ablehnen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!


PRESSEKONTAKT:
 

Claudia Schreyer
Pressesprecherin


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