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Förderung von ganzjähriger Beschäftigung? Nicht mit SPD und CDU!

Zur Ablehnung des Antrags „Fachkräfte langfristig binden – ganzjährige Beschäftigung im Hotel- und Gaststättengewerbe fördern“(Drs. 7/2252), erklärt der wirtschaftspolitische Sprecher der Linksfraktion, Henning Foerster:

„Jahr für Jahr sind zwischen 8000 und 10 000 Beschäftigte in M-V von saisonalem Personalabbau im Hotel- und Gastgewerbe betroffen. Das Modellprojekt Saisonzuschuss hat bewiesen, dass es möglich ist, Unternehmen bei der Suche nach neuen Konzepten und Wegen zu unterstützen, damit sie ihre Beschäftigten ganzjährig halten können. Die Landesregierung hatte für dieses Modellprojekt über 70 000 Euro bereitgestellt. Umso absurder ist die heutige Ablehnung unseres Antrags zur Einführung eines gleichlautenden Förderprogramms des Landes. Von der Bundesregierung ist ebenfalls keine Initiative für die Förderung von ganzjähriger Beschäftigung zu erwarten.

Gerade im selbsternannten Tourismusland Nummer eins muss einfach mehr in die Qualität investiert werden, wenn das Land auch in Zukunft mitspielen möchte. Und dazu zählen in erster Linie gut ausgebildete Fachkräfte. Diese zu finden ist für die Unternehmen seit langem schon sehr schwer. Das liegt im Wesentlichen an den geringen Löhnen, den unattraktiven Arbeitsbedingungen, aber auch an dem schlechten Image der Branche. Dementsprechend wäre die Förderung ausschließlich für Unternehmen reserviert, die tarifgebunden sind oder zumindest tarifgleich entlohnen. Denn nur über den Weg einer guten Entlohnung und der Perspektive einer ganzjährigen Beschäftigung wird es möglich sein, auch künftig gute Fachkräfte zu gewinnen. Ein Förderprogramm für zunächst 2000 Beschäftigte würde etwa 6,5 Millionen Euro jährlich kosten. Das ist mit der aktuellen Haushaltslage finanzierbar und würde M-V einen guten Schritt voran bringen.“

Hintergrund. Die Beschäftigung im Hotel-und Gaststättengewerbe unterliegt saisonalen Schwankungen. Während in der Hauptsaison von April bis September mehr Personal benötigt wird, kommt es in der Nebensaison zwischen November und März zu Personalabbau. Immer noch sind 8000 bis 10 000 Beschäftigte aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe in M-V von diesen saisonalen Schwankungen betroffen. Für die Beschäftigten hat das enorme Nachteile. Dazu zählen jährliche Zeiten von Arbeitslosigkeit, fehlende Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten, Probleme bei der Vereinbarkeit von Privat- und Erwerbsleben, geringe  Durchschnittseinkommen und daraus resultierende geringe Beitragszahlungen an die gesetzliche Rentenversicherung. Für die Unternehmen löst Saisonbeschäftigung zwar kurzfristig ein Kostenproblem, erschwert jedoch die Nachwuchsgewinnung und verschärft damit den heute schon bestehenden Fachkräftemangel in der Branche.

Selbst wenn Fachkräfte gefunden werden, müssen diese jede Saison neu angelernt werden. Das Modellprojekt „Saisonzuschuss“, an dem 15 Betriebe des Gastgewerbes aus M-V teilgenommen haben, wurde sowohl von Seiten der teilnehmenden Unternehmen und Beschäftigten als auch von Seiten der Landesregierung als sehr positiv eingeschätzt. Eine Anfrage bei der Bundesregierung hat ergeben, dass sich auf Bundesebene wenig bis gar nichts verändern wird („Die Bundesregierung beabsichtigt derzeit keine neuen Maßnahmen, um die ganzjährige Beschäftigung in Betrieben zu fördern, die saisonalen Schwankungen unterliegen.“[1]).

Eckpunkte des Projektes „Saisonzuschuss“

  • Lohnzuschuss für maximal 4 Monate in der Nebensaison von 40 Prozent. Das Unternehmen trägt 60 Prozent
  • Laufzeit über 5 Jahre
  • Die Unternehmen haben die Möglichkeit und die Pflicht, im Förderzeitraum an neuen, innovativen Möglichkeiten zu arbeiten, um die Saison für sich zu verlängern, Einnahmezeiträume zu strecken und ihre Beschäftigten auch nach Auslaufen der Förderung ganzjährig zu beschäftigen.

 

Kostenbeispiele für das Projekt „Saisonzuschuss“

Anzahl der geförderten Beschäftigten

Jährlicher Förderbedarf in Mio. Euro[2]

1000

3,216

2000

6,432

3500

11,256

5000

16,080

 


[1] Vgl. Kleine Anfrage an die Bundesregierung Drs. 19/2121.

[2] Eigene Berechnung. Grundlage für die Berechnungen ist die enthaltene Kostenkalkulation des Gutachtens der WMP CONSULT – WILKE MAACK GMBH „Ganzjährige Beschäftigung im Gastgewerbe“: Siehe: https://guter-gastgeber-guter-arbeitgeber.de/sites/all/themes/ggga/files/PDFs/Ganzjaehrige_Beschaeftigung_Gastgewerbe.pdf  .


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Claudia Schreyer
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