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Eva-Maria Kröger: Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Bestattungsgesetzes

Frau Präsidentin,

werte Kolleginnen und Kollegen,

Lieber Herr Krüger,

als wir damals hier im Landtag beschlossen haben, eine Expertenkommission zu gründen, haben Sie die erste Rede gehalten. Ich kann mich daran so gut erinnern, weil ich schon nach den ersten Sätzen den Saal verlassen habe. Da waren die Erinnerungen einfach noch zu frisch und als Sie darüber sprachen, wie wir mit dem Tod eines geliebten Menschen umgehen und wie individuell Trauer sei, da brauchte ich noch Abstand. Und ist es nicht auch so, dass es wahnsinnig schwierig ist, ein richtig oder falsch gesetzlich festzulegen? Jeder trauert anders. Und natürlich können wir alle empathisch, mitfühlend und sensibel sein, aber es ist wie bei einer Geburt, oder? Wie es wirklich ist, wie es sich wirklich anfühlt, wenn du sie das erste Mal in den Armen hältst, weißt Du erst, wenn es soweit ist. Und genauso weißt du erst, wie es sich anfühlt, jemanden ein letztes Mal zu halten, wenn es soweit ist.  

Umso bewegender - wenn man das so sagen kann - war es, als Peter Ritter mich ein paar Monate später fragte, ob ich in dieser Kommission mitarbeiten wolle und jetzt, da wir unsere Arbeit längst abgeschlossen haben und das neue Gesetz auf dem Tisch liegt, bin ich sehr froh, ja gesagt zu haben. Ich habe viel gelernt über das Sterben und das Trauern, und was es bedeutet, als Staat offen zu sein für die Wünsche der Menschen, wenn es um ihre letzte Reise geht. Offen und zugewandt, trotzdem sensibel im Umgang mit allen Ängsten und Sorgen verschiedener Bevölkerungsgruppen, Weltanschauungen und Religionen. Das Gleichgewicht zu bewahren, oder besser, das richtige Maß zu finden, im Umgang mit der Ermöglichung neuer Bestattungsformen, ist keine einfache Sache. Zu trauern, ist extrem persönlich und individuell, zeitgleich ist es eine Gemeinschaftsaufgabe, die Würde der Verstorbenen zu bewahren und Hinterbliebene zu unterstützen. Jemand hat mal gesagt:

Der Zustand einer Gesellschaft zeigt sich im Umgang mit ihren Verstorbenen. Ein kluger Satz. Und an dieser Stelle will ich festhalten, dass unsere Gesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern für sich behaupten kann, und auch die Arbeit in der Kommission hat dies bewiesen, dass wir würdevoll und aufeinander Rücksicht nehmend mit dem Tod und der Trauer umgehen können.

Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, möchte ich Sie heute bitten, den Menschen hierzulande zu vertrauen und ihnen die Chance zu geben, sich von einem geliebten Menschen in Ruhe zu verabschieden: Die Urne für eine begrenzte Zeit mit nach Hause nehmen zu können, wäre ganz sicher für einige Hinterbliebene ein Weg, auf Wiedersehen zu sagen und die neue Situation zu verarbeiten. Wir können uns auf unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger verlassen, dass eine Urne zu Hause nicht irgendwo oder irgendwie abgestellt wird – denn wer sich für diesen Abschied entscheidet, tut dies aus Zuneigung – , sondern an einem Platz voller Erinnerungsstücke und Liebe. Und auch wenn es schwerfällt, darüber nachzudenken, aber womöglich würden gerade Eltern, die sich viel zu früh von ihrem Kind verabschieden müssen, dankbar sein für eine solche Möglichkeit. Und warum sollten wir es Eheleuten, die viele Jahrzehnte verheiratet waren, versagen, noch für ein paar wenige Monate beieinander sein können, wenn auch nicht mehr so wie es früher war.

Der Zustand einer Gesellschaft zeigt sich im Umgang mit ihren Verstorbenen. Der Zustand unserer Gesellschaft ist so gut, dass wir uns auf einen würdevollen Umgang verlassen können. Bitte stimmen Sie dem Änderungsantrag zu.

Vielen Dank


PRESSEKONTAKT:
 

Claudia Schreyer
Pressesprecherin


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Fax 0385 / 52 52 547
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