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Eva-Maria Kröger: Digitale Teilhabe für gesellschaftliche Teilhabe - Digitale Kompetenzen im hohen Alter ausbauen

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

werte Kolleginnen und Kollegen,

75 Prozent der Seniorinnen und Senioren in Deutschland sind offline, sagt die Altersstudie 2020. Wer gehofft hat, wir sind weiter, irrt. Dazu kommt: Internet-Kurse finden seit Monaten nicht statt. Dabei sind doch so viele wichtige Infos online zu finden, auch und gerade jetzt während der Pandemie. Digital ein Buch ausleihen, einen Film streamen, eine online-Diskussion miterleben, digitalisierte Kulturangebote genießen, einen Impftermine ergattern? Wer mit der Technik und dem Netz nicht umgehen kann und keine Enkelkinder in der Nähe hat, ist sich selbst überlassen. Diese Notlage hat wieder bewiesen, wie wichtig die Vermittlung von Medienkompetenz und wie elementar die Förderung passender Bildungsangebote ist.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich kann es nur immer wieder sagen, stärken Sie die Strukturen und vor allem die Fachkräfte der Medienbildung hier im Land! Die Vermittlung von Medienkompetenz ist übrigens eine der wichtigsten Aufgaben der Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern. Die Grundlage dieser Medienkompetenzförderung ist die zuletzt 2015 „erneuerte“ „Kooperationsverein-barung zur Förderung der Medienkompetenz in Mecklenburg-Vorpommern“. 2015!

Nur um nochmal darauf hinzuweisen. Jetzt haben wir 2021. Wenn Ihnen Medienbildung so wichtig ist, dann sollten Sie in die Puschen kommen. An dieser Stelle will ich auch nochmal auf das dringend notwendige Fachkräfteprogramm hinweisen, dass unsere Medienpädagog*innen im Land schon lange fordern.

Wer Medienbildung machen will, braucht auch Fachkräfte dafür. Und dabei geht es um unsere noch vorhandenen Medienpädagoginnen, die abgesichert und bestärkt werden müssen, aber auch um alle sozialpädagogisch arbeitenden Fachkräfte im Land. Alle Akteure, die im sozialen Bereich arbeiten, in den Stadtteil- und Begegnungszentren, in den Mehrgenerationen-häusern müssen befähigt werden, Medienkompetenz zu vermitteln. Wie weit sind Sie mit dieser Aufgabe?

Die Herausforderungen in der Medienarbeit werden in den Schulen und außerhalb der Schulen größer. Jeden Tag!

Sie legen heute einen Antrag vor, der prüfen will, wie Angebote weiter ausgebaut werden können, wie innovative Konzepte gefördert und vorhandene Strukturen vernetzt werden können. Nun gut. Das schadet ja nicht. Aber warum wollen sie nur prüfen?

Und dann soll über die Prüfung bis zum 31.12.2021 ein Zwischenstandsbericht im Ausschuss abgegeben werden. In 10 Monaten? Ein Zwischenstandsbericht?

Bis wann wollen Sie dann konkrete Umsetzungen vorgenommen haben? Das dauert doch alles viel zu lange.

Schauen wir nochmal auf Ihren Antrag: Was tun wir, in dieser seit 12 Monaten andauernden Krise? Es gibt Menschen, die sich kaum vor die Tür trauen oder eben kaum noch vor die Tür kommen, die vereinsamen, weil sie nicht mobil sind, auch nicht mobil erreichbar. „Du kannst Doch mit Deiner Familie skypen!“ Und wie geht das? In manchen Kommunen wurden telefonische Hilfsangebote eingerichtet, um mit Seniorinnen und Senioren Schritt für Schritt und in aller Ruhe die Probleme zu lösen. Gemeinsam. Am Telefon. Eine schöne Idee.

Eine ebenso schöne Idee ist es, Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen des betreuten Wohnens fit zu machen: WLAN, Technik und natürlich Hilfe beim Umgang, sprich Medienbildung. Gerade aus den Pflegeheimen haben wir so viele traurige Berichte gehört und Angehörige, die richtig verzweifelt waren, weil sie viel zu lange ihre Liebsten nicht sehen konnten.

Für Kinder, deren Eltern an Demenz erkrankt sind, ist das eine ganz ganz schlimme Situation. Hier hätten wir helfen können. Doch Sie haben unseren Antrag dazu im Dezember abgelehnt. Im Sozialausschuss und im Finanzausschuss. Abgelehnt. Statt konkreter Hilfe, wollen Sie prüfen.

Ja, natürlich müssen bestehende Konzepte fortlaufend geprüft und angepasst werden. Das ist richtig. Der dritte Punkt Ihres Antrages möchte den vorhandenen Leitfaden „Eckpunkte und Empfehlungen für die Entwicklung seniorenpolitischer Gesamtkonzepte für die Landkreise und kreisfreien Städte“ fortschreiben. Das ist definitiv überfällig. Digitale Aspekte spielen im Prinzip gar keine Rolle in dem Papier, außer das festgestellt wird, dass sich zwar mehr und mehr Seniorinnen und Senioren für das Internet interessieren, jedoch der Internetzugang meistens nur für die jüngeren Älteren möglich sei.

Wie Kommunen die Medienkompetenz älterer Menschen vor Ort fördern können, spielt de facto keine Rolle in dem Papier. Es wird also allerhöchste Eisenbahn, dieses Aufgabenfeld zu ergänzen.

Das Voranbringen der digitalen Teilhabe für ältere Menschen, aber auch für Menschen mit Behinderungen in privaten und gemeinschaftlichen Wohnformen ist ein wichtiges Thema unserer Zeit. Und Zeit verlieren, dürfen wir aber nicht mehr, deshalb appelliere ich an die Koalitionsfraktionen, mit der Umsetzung zu beginnen.

Bringen Sie den Breitbandausbau voran, stellen Sie ausreichende Mittel für Ausstattung und Begleitung zur Verfügung und fangen Sie einfach an, statt weiter zu prüfen und zu überlegen. Dieser Antrag ist zu schwach auf der Brust.

Vielen Dank


PRESSEKONTAKT:
 

Claudia Schreyer
Pressesprecherin


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