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Dr. Wolfgang Weiß: Tierschutz auf der Weide

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

meine Damen und Herren,

in der Begründung zum vorliegenden Antrag verweisen die Antragsteller auf wachsende Herausforderungen für die Weidetierhalter in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen Jahren.

Sie erwähnen den Wegfall wichtiger Prämienzahlungen und den Anstieg der Flächenkosten – völlig richtig, wir reden bereits seit Langem darüber.

Dann aber gleich kommt der Wolf … und jetzt auch noch der Kolkrabe, der durch eine gezielte Bejagung – ich zitiere – „in seine Grenzen gewiesen werden“ soll.

Mit Verlaub, ich habe selten so einen Unsinn in einem Parlamentsdokument gelesen. Wildtiere leben grundsätzlich in ihren Grenzen, nämlich in den natürlichen Grenzen ihrer Art, in den Grenzen, die ihre Lebensweise widerspiegeln. Das sind natürliche Lebensräume, räumlich gesehen Habitate, Ausschnitte von Biotopen.

Noch einmal: Sie wollen den Kolkraben durch eine gezielte Bejagung „in seine Grenzen weisen“. Das ist selbst als Metapher Unfug.

Habitatsgrenzen sind weder politisch-administrativ zu bestimmen noch durch Zäune am Feldrand oder am Rand eines Weidelandes, und das gilt insbesondere für Vögel!

Der vorliegende Antrag zum Tierschutz auf der Weide geht völlig am eigentlichen Problem vorbei. Meine Fraktion wird ihn daher ablehnen. Zur Klarstellung: Meine Fraktion lehnt bei dieser Thematik grundsätzlich alle Anträge ab, die nur vordergründig vermeintliche Lösungen anbieten, die aber keine Lösungen im Sinne der Förderung der Weidetierhaltung sind.

Deshalb mit Nachdruck an die Adresse der Antragsteller, an die Herren der AfD-Fraktion:

Ursächlich für die großen Probleme in der Weidetierhaltung, insbesondere für die Probleme der Schäfer, sind weder Wolf noch Kolkrabe oder irgendwelche anderen natürlichen Umstände. Die Weidetierhaltung, insbesondere die Schaf- und Ziegenhaltung ist die Verliererin einer verfehlten EU-Agrarförderpolitik.

Die Folgen sind prekäre Arbeits- und Einkommensbedingungen ausgerechnet für den Teil der Nutztierhaltung, der die meisten Gemeinwohlleistungen erbringt.

Die Bejagung des Kolkraben würde an dieser Situation genau so wenig ändern, wie etwa die Bejagung des Wolfes oder die Einrichtung irgendwelcher wolfsfreien Zonen.

Exemplarisch im Detail:

Im Punkt 1 Ihres Antrages fordern Sie, die Landesregierung soll sich verstärkt für den Schutz neugeborener Weidetiere einsetzen. Wie Sie sich das konkret vorstellen bleiben Sie uns schuldig – mit einer Ausnahme: Abschießen der Rabenvögel, aber das kann es ja nicht sein, wenn es um die Einkommensverbesserung der Tierhalter geht.

Wir Linke haben gemeinsam mit Bündnis 90/Die Grünen auf Ebene des Bundes erneut eine Weidetierprämie gefordert, wie es sie in 22 EU-Mitgliedsstaaten gibt. Der Bundestag lehnte das mehrheitlich ab, indem er auf andere Förderprogramme verwies.

Dabei ist doch längst klar, dass diese Programme für die Betroffenen oft nicht oder nur sehr schwer zugänglich sind und auch nur Aufwandsentschädigungen bieten, die wenig einkommenswirksam sind und damit das Problem unbezahlter Arbeit der Weidetierhalter nicht lösen.

Außerdem beantragten wir im Bundestag jährlich 2 Millionen Euro für ein Herdenschutzkompetenzzentrum beim BMEL. Das sind konstruktive Vorschläge im Sinne der Weidetierhalter, denn es ist höchste Zeit zum Handeln.

Für die AfD gibt es hingegen nur eine Lösung: die Bejagung von wildlebenden Prädatoren und Allesfressern, wie es auch die Kolkraben sind.

Ich glaube nicht, dass wir Menschen das Recht haben, zu bestimmen, welche Tiere auf der freien Weide leben dürfen und welche nicht, zumal wenn Wolf oder Kolkrabe in Mecklenburg-Vorpommern wieder einmal ausgerottet sein sollten, hätten die Weidetierhalter, insbesondere die Schaf- und Ziegenhalter immer noch dieselben Probleme wie zuvor. – Danke.


PRESSEKONTAKT:
 

Claudia Schreyer
Pressesprecherin


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