Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Skip to main content

Dr. Wolfgang Weiß: Praxistauglichen Umgang mit dem Wolf ermöglichen

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

meine Damen und Herren,

ich bin froh, dass wir heute die Gelegenheit haben, uns dem Thema Umgang mit dem Wolf sachlich zu nähern. In den letzten Jahren hatte ich schon den Eindruck, dass Gegner und Befürworter der eigentlich erfreulichen Populationsentwicklung des Wolfes eine zunehmend emotionalisierte Debatte in der Öffentlichkeit führten. Das ging hin bis zu Mahnwachen auf der einen und öffentlichen Diffamierungen und lächerlich machen auf der anderen Seite.

So langsam ist aber überall durchgedrungen, dass diese Debatte keine einfachen Antworten bieten kann und Populismus und Romantisierung keine Lösungen sind. Leider scheint das aber nicht zu der Dame und den Herren der AfD-Fraktion durchgedrungen zu sein.

Weder wird der Wolf, egal wie seine weitere Populationsentwicklung aussieht, wie in früheren Zeiten durch gnadenlose Jagd ausgerottet werden können, noch kann und wird es eine völlig aus dem Ruder Laufende Bestandsentwicklung geben, die zum Beispiel die Weidehaltung in Mecklenburg-Vorpommern oder anderen Regionen in Deutschland und Europa unmöglich machen wird. Bis aber diese Erkenntnis überall anerkannt ist, wird es weiterhin heiße Debatten geben.

Nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern haben die Menschen eben verlernt, mit dem Wolf zu leben und sich und ihre Lebensweise und die Art der Landwirtschaft auf seine Anwesenheit einzustellen.

Der Wolf war ja bis vor 20 Jahren in Deutschland faktisch ausgerottet und seither verbreitet er sich von den ersten Rückkehrern von der baltisch-ostpolnischen Population her über Sachsen und Polen wieder aus. Gleichzeitig greift die uralte Angst vor den Wölfen um sich. Wir lebten fast 200 Jahre ohne das größte hiesige Raubtier und müssen es jetzt wieder neu lernen.

Meine Fraktion sieht daher den vorliegenden Antrag als gute Chance, wieder etwas mehr Ruhe und vor allem Sachverstand in die Diskussion zu bekommen und sich einer Lösung der durchaus vorhandenen Probleme mit dem Rückkehrer Wolf anzunähern. Und wenn man ehrlich zu sich selbst ist, müssten auch alle Gegner der Ausbreitung des Wolfes anerkennen, das 20 Jahre nicht viel Zeit sind, um massenhaft wissenschaftliche Erkenntnisse zu sammeln, um Kompetenz beim Herdenschutz neu zu erwerben, um gewonnene Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen und Schutz von Mensch, Nutztier und Wolf in Einklang zu bringen. Den Vorliegenden Antrag von CDU und SPD werte ich daher als einen Beitrag, praxistaugliche Wege zu finden, den gegensätzlichen Schutzzielen und Bedürfnissen zu genügen.

Natürlich macht es aus Sicht meiner Fraktion Sinn, zu überprüfen, ob es überhaupt wissenschaftlich gerechtfertigt ist und Sinn macht, eine Abgrenzung von zentraleuropäischer Tieflandpopulation und baltisch-ostpolnischen Population durchzuführen.

Je nach Betrachtungsweise kommt man da natürlich auf riesige Unterschiede von notwendigen Populationsgrößen, um dem Wolf einen günstigen Erhaltungszustand zu bescheinigen und Maßnahmen zur Regulierung der Bestände durchführen zu können.

Den Punkt II des vorliegenden Antrages kann ich auch so unterschreiben. Er macht allerdings auf eine Problematik aufmerksam, die hier mal laut ausgesprochen werden muss. Die verschiedenen Bundesregierungen der letzten fünf Legislaturperioden haben die Länder bei der Problematik Wolf einfach mal im Regen stehen lassen und nur stur auf den strengen Schutzstatus des Wolfes hingewiesen. Zurzeit leben ungefähr fünfzig Wolfsfamilien in Deutschland. Für die Förderung der Schutzmaßnahmen sind allein die Länder zuständig. Ebenso für den Schadensausgleich, wenn Nutztiere dem Wolf zum Opfer fallen. Da war es natürlich schön bequem, der Bestandsentwicklung dieser Tiere aus der Ferne zuzuschauen, sich die Erfolge beim Naturschutz aufs Revers zu heften und den Rest den Bundesländern zu überlassen. Der Bund muss jetzt endlich seine Verantwortung wahrnehmen und alles rund um den Schutz des Wolfes und der Nutztiere koordinieren und wissenschaftlich zu begleiten.

DIE LINKE. fordert dazu seit Jahren den Aufbau eines Herdenschutzkompetenzzentrums beim Bund. Das wäre doch mal ein wirklich praktischer Beitrag, der Allen helfen könnte.

Den Punkt III des Antrags halte ich für eine Selbstverständlichkeit. Natürlich müssen alle gegebenen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um entstandene Schäden auszugleichen und die Schadensprävention zu ermöglichen. Zu diskutieren wäre an dieser Stelle höchstens der vorgegebene Haushaltsrahmen. Es wird sich mit zunehmender Bestandsentwicklung des Wolfes zeigen, ob dieser Rahmen ausreichend ist. Und natürlich gehört für DIE LINKE. auch dazu, Vergrämungsmaßnahmen zu testen, damit es erst gar nicht zu Konflikten zwischen Mensch, Nutztier und Wolf kommt. Vergrämung ist immer besser als das Töten der Tiere, die Schafe reißen. Auch der Wolf muss lernen, dass die Nähe des Menschen für ihn nicht ohne Probleme ist und die Jagd auf Nutztiere hinter einem Zaun schmerzhaft ist.

Und so kann meine Fraktion auch dem Punkt IV zustimmen. Natürlich brauchen wir eine rechtssichere Definition bezüglich eines „Problemwolfes“. Dabei muss aber klar sein, dass es in erster Linie eben nicht um das Töten des Einzeltieres - oder Neudeutsch die Entnahme des Tieres aus dem Bestand - gehen kann.

Priorität hat für uns natürlich der Schutz des Menschen. Das Töten muss aber weiterhin die Ultima Ratio bleiben.

Die im Punkt V angeregte regionalspezifische Betrachtung der Bestandsentwicklung und der Belastungen ist für mich der einzige Punkt des Antrags, der nicht wirklich zu fassen ist. Was konkret ist für die CDU eine spezifische Region? Sind das die Gebiete, in denen in Mecklenburg-Vorpommern Wolfsrudel leben? Ist das das ganze Land? Sind das Gebiete, in denen vorrangig Weidewirtschaft betrieben wird? Da fehlt mir und meiner Fraktion ein Stück konkrete Anwendbarkeit, damit dieser Punkt nicht nur allgemeines Geschwurbel bleibt.

Trotzdem wird meine Fraktion diesem Antrag zustimmen. Er ist der erste Versuch, über einzelne Forderungen hinaus, die ja auch schon von meiner Fraktion ins Spiel gebracht und teilweise umgesetzt wurden, einen ganzheitlichen praxistauglichen Umgang mit dem Wolf zu ermöglichen.


PRESSEKONTAKT:

Pressesprecher (in Vertretung)
Hanno Harnisch
Tel. 0385 / 52 52 502
Mobil: 0171 / 6435524
Fax 0385 / 52 52 547
E-Mail: presse@dielinke.landtag-mv.de