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Dr. Wolfgang Weiß: Landwege – erhalten und wiederherstellen

Frau Präsidentin,

meine Damen und Herren,

ich kam nicht umhin an den mehrteiligen DDR-Fernsehfilm „Wege übers Land“ mit Ursula Karusseit und Manfred Krug zu denken, als ich diesen Antrag las. Nicht nur der Bilder wegen, der alten Landwege.

Ich werde den Eindruck nicht los, dass die AfD ein Bild des ländlichen Raums zeichnen will, das viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte zurück liegt.

Landwege gewannen mit der Gründung von Städten im 13. und 14. Jahrhundert zu deren Versorgung und mit zunehmendem Handel an Bedeutung. Das Wegenetz wurde dichter. Archäologische Untersuchungen erbrachten beispielsweise für Brüel, Warin und Bützow Hinweise auf Jahrhunderte alte Holzbohlenwege. Auch erste Stein-Pflasterstraßen wurden bereits im 13. Jahrhundert angelegt und führten als Hauptstraßen durch die Städte. Zumeist waren diese Wege jedoch unbefestigt und bisweilen unpassierbar. Nachzulesen ist das und vieles mehr in einer sehr empfehlenswerten Broschüre „Entdeckungen auf alten Landwegen im Naturpark Sternberger Seenland“ von Gudrun Schützler, herausgegeben von der Naturparkverwaltung und dem Förderverein und unter anderem gefördert durch die Akademie für Nachhaltige Entwicklung M-V.

Vorhandene alte Landwege sind häufig ökologisch wertvolle Strukturelemente der Kulturlandschaft. Sie sollten egal ob ungenutzt oder als zumeist unbefestigte Hohl-, Feld- oder Waldwege noch genutzt als historische Kulturelemente erhalten bleiben. Einige dieser Wege haben nach wie vor eine – wenn auch untergeordnete – Verbindungsfunktion zwischen den Dörfern. Das sollte auch so bleiben. Die Wege, die als Wege gewidmet sind, sollten nicht entwidmet werden.

Eine ganze Reihe ehemaliger Landwege wurde im Rahmen des ländlichen Wegebaus befestigt. Die Förderung durch das Agrarministerium trug in erheblichem Maße zur Verbesserung der ländlichen Infrastruktur bei. Diese Wege dienen als Ortsverbindungswege und sind Teil der Radinfrastruktur. Aber nicht jeder der alten Landwege sollte und muss befestigt werden. Und ich denke schon, dass bisher größtenteils mit Augenmaß vorgegangen wurde.

Beispielsweise in der von der Naturparkverwaltung und dem Förderverein Nossentiner/Schwinzer Heide herausgegebenen Broschüre „Wege durch das Land - Landwege im Kreis Parchim“ wurden die Landwege in ihrer Qualität und Ausstattung beschrieben. Viele von ihnen dienen als Wander-, Reit- und Radwege, aber auch als land- und forstwirtschaftliche Wege. Ziel dieser Broschüre war und ist es, den Gemeinden eine Entscheidungshilfe in die Hand zu geben zum Umgang mit dem Kulturgut Landweg.

Das ist nicht immer einfach. Historische Pflasterwege sind  weder für heutige Verkehrsaufkommen noch Nutzfahrzeuggewichte ausgelegt. So mancher PKW stößt an seine Grenzen, soweit es sich nicht um einen SUV oder ein geländegängiges Fahrzeug handelt. Dennoch gelingt es bei entsprechendem Willen bei Straßenbaumaßnahmen Kompromisse zu finden und wenigstens zum Teil das historische Erbe – die Pflasterstraße im Dorf – zu erhalten.

Da Landwege zumeist in gemeindlicher Straßenbaulast sind oder Bestandteil von land- oder forstwirtschaftlichen Flächen sehen wir die Verantwortung im Umgang damit nicht beim Land. Auch zeigen die genannten Beispiele der Naturparke, dass diese Verantwortung sehr wohl erkannt und auch wahrgenommen wird.

Völlig inakzeptabel ist das Antragsanliegen zur Wiederherstellung verschwundener Landwege. Vorhandene Wege, durch Nichtnutzung zugewachsen und oft mit Gehölzbestand, stellen ökologisch sehr wertvolle Biotop- und Grünverbindungen dar und strukturieren die Kulturlandschaft. Sie sollten auf jeden Fall nicht angetastet werden. Zudem haben wir eher zu viel Infrastruktur, die zu erhalten ist. Und Wege, die durch ebenfalls historisch gewachsene große Feldstrukturen entfallen sind wieder herzustellen, würde die Bewirtschaftung erschweren. Und wenn schon land- oder forstwirtschaftlichen Flächen in Anspruch genommen werden sollen, würde meine Fraktion das Anlegen von Blühstreifen, Knicks und auch Radwegeflächen entlang von Straßen für deutlich wichtiger erachten.

Wir lehnen den Antrag ab.

Danke


PRESSEKONTAKT:
 

Claudia Schreyer
Pressesprecherin


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