„Die heute veröffentlichen Arbeitsmarktzahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nach wie vor zahlreiche, gravierende Probleme gibt“, erklärte Henning Foerster, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Linksfraktion.
„Viel zu viele Beschäftigte im Land sind im Niedriglohnbereich tätig, wie die jüngste DGB-Studie zur Lohnentwicklung zeigt. Die Umwandlung von Vollzeit- in Teilzeitbeschäftigung und Minijobs, der Einsatz von Leiharbeit, das Auspendeln vieler Beschäftigter sowie das nach wie vor existierende Geschäftsmodell ‚geringer Lohn plus aufstockende Sozialleistungen‘ liefern neben dem demografischen Wandel Erklärungen für die sinkenden Arbeitslosenzahlen. Daher sei es weiterhin wichtig, für einen gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 10 EUR einzutreten, auch um Armut und Altersarmut als Folge dieser Entwicklung einzudämmen“, sagte Foerster.
„Natürlich ist es erfreulich, wenn endlich auch über 50-jährige Arbeitslose in reguläre Beschäftigungsverhältnisse vermittelt werden. Mehr als 33.000 Arbeitslose in dieser Altersgruppe suchen aber immer noch vergeblich einen Arbeitsplatz. Alle Akteure betonen fortwährend die Notwendigkeit, dieses Arbeitskräftepotential zu erschließen, doch im Landtag haben SPD und CDU einen Antrag meiner Fraktion ohne Begründung abgelehnt, mit dem wir zum Beispiel langzeitarbeitslose Akademiker wieder in den Arbeitsmarkt integrieren wollten. Gerade für die Integration der Altersgruppe über 50 Jahre sind aber zwei Dinge unerlässlich, vernünftige Integrationsangebote seitens der Arbeitsagenturen, der Jobcenter und des Landes sowie die Erkenntnis bei den Arbeitgebern, dass sie angesichts des drohenden Fachkräftemangels künftig auf ältere Arbeitskräfte angewiesen sein werden“, so Foerster.
Das Missverhältnis zwischen offenen Ausbildungsstellen und bislang nicht versorgten Jugendlichen hält Foerster mit Blick auf die unbesetzten Stellen für erklärbar. Zum einen ist der Anteil von Schulabgängern mit unzureichenden Leistungen in unserem Land überdurchschnittlich hoch, zum anderen hat der DGB-Ausbildungsreport 2011 deutlich gemacht, warum Ausbildungsstellen als Koch, Restaurant- oder Hotelfachfrau für viele Jugendliche wenig attraktiv sind. Demnach verdienten 95% der Azubis weniger als 500 EUR, 91% hatten weniger als 25 Tage Urlaub und 60% mussten mehr als 5 Tage pro Woche arbeiten. Solange dies der Fall sei, dürften sich Unternehmen nicht wundern, wenn Jugendliche nach Ausbildungsberufen mit besseren Bedingungen suchen.