24. Februar 2011

Schallende Ohrfeige für den Bildungsminister in der Parlamentsanhörung

Zur heutigen Anhörung zur 2. Phase der Lehrerbildung (Referendariat), erklärt der kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion, Torsten Koplin:

„Die angehörten Expertinnen und Experten sahen übereinstimmend die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform der Lehrerbildung vom Studium über das Referendariat bis zur Fort- und Weiterbildung. Sie kritisierten unisono, dass die Veränderungen zum Referendariat – also der 2. Phase der Lehrerbildung – losgelöst von einem Gesamtkonzept zum 1.4.2010 eingeführt wurden. Es wurde deutlich, dass es im Vorfeld keinerlei Einbeziehung der Hochschulen, Lehrergewerkschaften und -verbände gegeben hat. Dies war auch nicht möglich, da die inhaltlichen Vorgaben zur Durchführung des Referendariats erst im November 2010 vom Bildungsministerium vorgelegt wurden. Bis dahin war es sowohl für die Referendarinnen und Referendare, die ausbildenden Schulen und die Mentorinnen und Mentoren ein bildungspolitischer Blindflug.

Es wurde beklagt, dass gewachsene und bewährte Strukturen, wie z.B. Fachseminare zu Didaktik und Methodik oder die Gruppenhospitationen, abgeschafft wurden. Die neuen Formen erfüllten die Anforderungen nur unzureichend. Eigenverantwortlicher Unterricht oder gar Vertretungsunterricht wurde abgelehnt. Die Anrechnung dieses Unterrichts auf das Stundenvolumen der Schule kann nur als unzulässige Einsparung zu Lasten der anderen Lehrkräfte gewertet werden. Auf einhellige Ablehnung stieß auch die Regelung zur Vergabe von Doppelqualifikationen mit einer Lehrbefähigung für andere als die studierten Lehrämter.

Insgesamt hat sich für uns gezeigt, dass der Bildungsminister, wie schon so oft an den Praktikerrinnen und Praktikern vorbei, Veränderungen vor- und vorwegnimmt, die den ohnehin vorhandenen Frust an den Schulen verstärken und deshalb höchst kontraproduktiv sind. Woher Herr Reinhardt in seiner Presseerklärung die ‚Zuversicht’ nimmt, dass die Initiativen erfolgreich sein werden, bleibt sein Geheimnis. Er muss auf einer anderen Veranstaltung gewesen sein.“

Quelle: http://www.linksfraktionmv.de/nc/presse/pressemeldungen/detail/artikel/schallende-ohrfeige-fuer-den-bildungsminister-in-der-parlamentsanhoerung/