Der migrationspolitische Sprecher der Linksfraktion, Dr. Hikmat Al-Sabty, besuchte in den vergangenen Tagen mehrmals die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerberinnen und Asylbewerber in Jürgenstorf, um sich ein Bild über die Unterbringung zu machen. Ausgangspunkt war ein Ende September an die Öffentlichkeit gerichteter Brief der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner, in dem sie die unwürdigen Zustände in der Unterkunft beklagten. „Der Brief war ein Hilfeschrei und angesichts der Ausstattung und Lage der Einrichtung völlig verständlich“, erklärte Al-Sabty am Mittwoch.
Die Heimbewohnerinnen und -bewohner seien räumlich und sozial isoliert, lebten auf engstem Raum und hätten nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten der Lebens- und Freizeitgestaltung. „Der fehlende Kontakt zur einheimischen Bevölkerung tut ein Übriges, um die Situation unerträglich werden zu lassen“, so Al-Sabty. Die Lebensumstände der Heimbewohnerinnen und -bewohner führten langfristig zu ernsthaften physischen und psychischen Beeinträchtigungen. „Einige leben bereits seit acht oder mehr Jahren in der Unterkunft und sind nur noch Schatten ihrer selbst, verzweifelt und entmutigt“, sagte Al-Sabty. „Das sind unhaltbare Zustände.“
Nach Ansicht der Linksfraktion brauchen Asylbewerberinnen und Asylbewerber Wohnmöglichkeiten mit direkter Anbindung an eine funktionierende Infrastruktur. „Sie müssen Zugang haben zu Einrichtungen, Behörden, Ärzten, Anwälten sowie zu Gütern und Dienstleitungen des täglichen Bedarfs“, betonte Al-Sabty. Dazu gehörten unbedingt auch Kontaktmöglichkeiten zur einheimischen Bevölkerung. „Deshalb ist es dringend erforderlich, die Gemeinschaftsunterkunft Jürgenstorf in eine größere Kommune zu verlegen oder die Bewohnerinnen und Bewohner auf andere Gemeinschaftsunterkünfte zu verteilen“, so Al-Sabty. „Die beste Lösung wäre allerdings eine dezentrale Unterbringung der Asylbewerberinnen und Asylbewerber. Diese Form muss langfristig zur Regelunterbringung werden.“