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14. Mai 2009 Rede, Torsten Koplin

Torsten Koplin

zur Beratung des Antrages der Fraktion der FDP: Konzept zur archäologischen Sicherung, wissenschaftlichen Aufarbeitung und musealen Präsentation von Kulturgütern in M-V

Frau Präsidentin,

meine Damen und Herren, 

die Forderung an die Landesregierung, konzeptionell und wohldurchdacht Landeskulturpolitik zu gestalten, ist aus Sicht der Fraktion DIE LINKE vollkommen richtig.

Zahlreiche unserer Anträge verfolgen das gleiche Ziel, weil die Landesregierung bereits die gesamte bisherige Legislaturperiode das Gegenteil praktiziert.

Eine Strategie, neue Ideen und Vorstellungen, kurz – ein roter Faden ist bei dem, was koalitionsseitig unter Kulturpolitik verkauft wird, nicht zu erkennen.

Und so wäre es auch wünschenswert, eine andere Politik in Bezug auf die Museen, Archive, Kunstsammlungen usw. in Angriff zu nehmen.

Gestaltung, wie wir sie fordern, und bloße Verwaltung, wie regierungsseitig praktiziert, sind unterschiedliche Wertigkeiten.

Ich hätte mir gewünscht, dass das mit Ihrem Antrag Gewollte, werte KollegInnen von der FDP, auch deutlich den Inhalt des Antrages ausmachen würde.

So aber klafft beides auseinander.

Das, was Sie im Kern meinen, ist die Sorgfalt im Umgang mit den steinzeitlichen Einbäumen, deren Zukunft viele von uns noch immer bewegt.

Sie meinen eine Konzeption, allein bezogen auf archäologische Funde, deren wissenschaftliche und handwerkliche Bearbeitung und schließlich öffentliche Präsentation.

Wären Sie dabei geblieben, wäre es gut gewesen.

Weniger wäre auch in diesem Fall mehr gewesen.

Aber dann erweitern Sie ihr Anliegen allgemein auf Kulturgüter, was natürlich mehr meint als archäologische Funde.

Wenn Sie aber bei diesem Sammelbegriff bleiben wollen, müsste in eine Konzeption z. B. auch kirchliches Kulturgut einbezogen werden.

Und anderes mehr, wie z. B. Archivgut.

Wollten Sie das?

Wenn ja, dann müsste Ihr Antrag inhaltlich Anderes aufweisen.

Dann wären Sie z. B. an den Schlussfolgerungen, die Fachleute aus dem archivarischen Unglück, das in Köln geschah, gezogen haben, nicht vorbei gekommen, um eine Gefährdung solchen Kulturgutes künftig nirgends mehr zuzulassen.

Sie schreiben – das resultiert wahrscheinlich aus dem Grundverständnis von FDP-Politik – von Optimierungs-, also Effektivierungsbedarfen in Hinblick auf die Zusammenarbeit von Fachleuten.

Wissen Sie, wie eng diese SpezialistInnen tatsächlich schon zusammenwirken?

Sie schreiben von „optimaler Einbindung von zentralen Kräften vor Ort“.

Zentrale Kräfte?

Meinen Sie die viel zu wenigen Arbeitsplätze für Fachleute im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege (so übrigens die korrekte Bezeichnung des Landesamtes)?

Sie fordern zeitnahe Untersuchungen und Aufarbeitungen von archäologischen Funden.

Sie fordern aber nirgends eine deutlich bessere personelle und finanzielle Ausstattung des Landesamtes und der Kommunen, die dringend erforderlich ist – auch, um Forderungen, wie Sie sie im Antrag erheben, überhaupt gerecht werden zu können.

Ja, auch die Kommunen bedürfen in dieser Hinsicht besserer Bedingungen, denn den größten Teil der Fachleute finden Sie dort.

Das Land hat, ich sagte es schon, nur wenige Leute dafür.

Mehr Personal, mehr Finanzen: Das waren übrigens Forderungen, die meine Fraktion im Zusammenhang um die Ereignisse mit den Einbäumen und anderen Defiziten in diesem Bereich öffentlich angesprochen hat.

Wir lenkten also nicht ab von grundlegenden Fragen zur künftigen Vermeidung solcher Geschehnisse.

Andere Fraktionen bemühten lediglich Personaldiskussionen um diesen oder jenen Experten, z. B. in Bezug auf die Mitarbeit in Kommissionen.

Das wurde der Sache nicht gerecht.

Begrüßenswert ist im Übrigen, dass sich die Landesregierung angesichts des Desasters endlich dazu durchrang, der Denkmalpflege, einschließlich der Archäologie, 35 Mio. € zusätzlich zukommen zu lassen.

Allerdings, das ist wiederum das sehr Bedauernswerte und zu Kritisierende, erst ab 2011 und gestreckt bis zum Jahr 2021.

Büros, Werkstätten für DenkmalpflegerInnen, Magazine für die Landesarchive, ein neues Depot für Bodendenkmäler mit Klima- und Quarantänekammern – all das muss aber ohne jeden Zeitverzug in Angriff genommen werden.

Allein die ArchäologInnen verwahren über 500.000 Fundstücke, die auf 17 Standorte im Land verteilt und in einem oft unbefriedigenden Zustand gelagert werden.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern sind die Arbeitsbedingungen der LandesarchäologInnen wohl am schlechtesten.

Eine Konzeption, wie sie notwendig wäre, müsste auch berücksichtigen, dass es den Museen in M-V generell an Depotfläche fehlt.

Es mangelt an hochwertigen Aufbewahrungsorten und wissenschaftlichen Kräften, um Kulturgüter sachgemäß lagern, schützen und erforschen zu können. 

In der Tat hat unser Bundesland eine reiche Museumslandschaft mit ca. 300 Einrichtungen.

Drei Millionen BesucherInnen suchten sie 2008 auf.

Man darf aber Museen nicht nur an ihren Besucherzahlen messen, sondern ebenso daran, wie sie sich ihren Hauptaufgaben aufgrund der vorhandenen Bedingungen widmen können: dem Sammeln, Bewahren, Forschen und Ausstellen. 

Museen, meine Damen und Herren,

sind die Bilanz der Menschheit.

Sie sind auch deshalb besonders beliebt, weil vielen ein möglich gewordenes Ende der Menschheit durch verantwortungslose, allein auf Profitstreben ausgerichtete Politik bewusst wird.

Zugleich oder gerade deshalb müssen Museen offen sein und können für Neues an Exponaten sowie Methoden und Strukturen ihrer Darstellung, um das Vorhandene und Gezeigte in geschichtlichen sowie kulturpolitischen und kulturgesellschaftlichen Zusammenhängen zu erfassen. 

Ich komme auf eingangs Gesagtes zurück: Ihre Absicht, werte FDP-Fraktion, ist zu begrüßen.

Ihr Antrag aber ist doch sehr verworren.

Eine Beratung durch Fachleute hätte das vermieden.

Es bleibt uns die Ablehnung Ihres Antrages.