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2. April 2009 Rede, Helmut Holter

Helmut Holter

zur Beratung des Antrages der Fraktion DIE LINKE: Konzept zur Kultur- und Kreativwirtschaft in M-V / Aussprache

Frau Präsidentin,
meine Damen und Herren,
Nicht das Talent ist wichtig, sondern was man daraus macht.
Das gilt ganz besonders in der Wirtschaft. Hier kommt es darauf an, Begabung in ertragreiche
Wertschöpfung umzumünzen. In keinem anderen Bereich ist dies so wichtig wie in der
Kultur- und Kreativwirtschaft.
Wenn wir über bessere Rahmenbedingungen für die Unternehmen der Kultur- und
Kreativwirtschaft reden, dann denke ich vor allem an die Frage der Förderung und der
Finanzierung.
Oftmals ist gerade in diesem Bereich das fehlende Eigenkapital ein Engpass.
Als Beispiel nenne ich nur die Filmwirtschaft.
Zwar stehen öffentliche Mittel aus der wirtschaftlichen Filmförderung zur Verfügung, aber
dies löst das Problem der Eigenkapitalschwäche nicht.
Kreative Unternehmen benötigen kreative Finanzierungslösungen.
Die Bereitstellung von Risikokapital spielt hierbei eine gewichtige Rolle.
Leider ist es immer noch so, dass die Finanzierung von Unternehmen der Kreativwirtschaft
mit spitzen Fingern angefasst wird. Und in der jetzigen Finanzkrise erst recht.
Wir haben hier also ein echtes Wachstumshemmnis, was aufgebrochen werden muss.
Während es für technologieorientierte Unternehmen über alle Größenklassen hinweg
Förderprogramme gibt, haben eine Reihe von Kreativ- und Kulturunternehmen das
Nachsehen. Wir sprechen dann von so genannten Förderlücken.
Bestehende Förderangebote sind eben oft nicht an die spezifischen Besonderheiten der
Kultur- und Kreativwirtschaft ausgerichtet.
Gefragt sind hier angepasste projektorientierte Finanzierung oder auch zunehmend
Zwischenfinanzierungen.
Andererseits zeigen sich häufig auch Informationsdefizite und Hemmnisse bei den Akteuren
selbst.
Generell ist aber nach wie vor festzustellen, dass für viele Wirtschaftsförderer, sei es der
Bund, die Länder und Kommunen oder seien es die Banken, der Umgang mit Unternehmen
der Kultur- und Kreativwirtschaft noch kein alltägliches Geschäft ist.
Wenn etwas neu ist oder ungewöhnlich, eben nicht alltäglich, fällt es schwerer solche
Geschäftsideen überhaupt erst einmal zu bewerten. Und deshalb wird in vielen Fällen eine
effektive Unterstützung auch nicht vermittelt. Das muss sich ändern.
Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang auf ein spezielles Problem verweisen:
Wie bewerte ich, was „innovativ“ ist? Allein diese Begriffsbestimmung stellt sich als
Gradwanderung heraus. Vielfach entspricht die Vorstellung von Innovationen in den
existierenden Förderprogrammen eben nicht der Arbeits- und Produktionsweise der Kulturund
Kreativwirtschaft.
So sind es ja nicht nur technologische Innovationen, die die wirtschaftliche Entwicklung
vorantreiben. Sondern es sind auch Ideen und Kreativität in anderen Bereichen, die eine
rasante wirtschaftliche Entwicklung bewirken.
Meine Damen und Herren,
wenn man sich nur auf technologische Innovationen beschränken würde, bliebe ein riesiges
Wertschöpfungspotenzial ungenutzt.
Das können und dürfen wir uns gar nicht erlauben.
Meine Damen und Herren,
Wir brauchen also spezifische und teilweise auch neue Möglichkeiten der Unterstützung.
Und wir müssen einen besseren Austausch zwischen den kreativen Akteuren und den
verschiedenen Förderstellen und Beratungsstellen hinbekommen.
Dies schließt mit ein, dass sich auch die Branche selbst ein funktionierendes Netzwerk
schafft. Damit kann den Klein- und Kleinstunternehmen konkrete Hilfe, zum Beispiel
hinsichtlich betriebswirtschaftlicher Beratung, angeboten und ihre Interessen gegenüber
Entscheidungsträgern viel stärker vertreten werden.
Nicht zuletzt geht es auch darum, wo es machbar ist, bestehende Förderprogramme formal
und inhaltlich zu öffnen.
Hier ist vor allem auch die Bundesebene gefragt.
Fördermöglichkeiten, Förderbedingungen, Förderklima sind ganz entscheidende
Rahmenbedingungen, die sich in einer Strategie der Entwicklung der Kultur- und
Kreativwirtschaft bei uns im Land widerspiegeln müssen.