Frau Präsidentin,
meine Damen und Herren,
die Landesregierung hat bereits fristgerecht im Dezember 2009 zur Initiative Baukultur unterrichtet.
Seit März kann man das Resultat sogar in einer ansprechenden Broschüre lesen.
Soweit mir bekannt ist, ist Mecklenburg-Vorpommern, das erste Land mit einem Bericht zur Baukultur.
Damit sind wir wieder auf dem richtigen Weg.
Erinnern wir uns:
Mecklenburg-Vorpommern rief 2003 als erstes Bundesland die Initiative Baukultur ins Leben.
Der Bericht enthält eine Vielzahl von beeindruckenden Beispielen für gelungene Architektur für kleine und große, moderne und historische, neue und bestehende Bauten aus dem Hoch-, Tief und Ingenieurbau.
Auf die Vorbildwirkung bei Baumaßnahmen des Landes, die enorme Rolle der Förderinstrumente und die Anerkennung der Leistungen durch verschiedene Baupreise wird im Bericht eingegangen.
Alles richtig und wichtig, aber reicht das?
Dieser Bericht spiegelt ausschließlich die Sicht der Landesregierung wieder.
Anmerkungen, welche Maßnahmen besonders gut ankamen oder welche eben nicht funktionierten, um Baukultur in der Öffentlichkeit publik zu machen und zu befördern, fehlen.
Und mir fehlt die Vision, wie es denn mit der Baukultur in Zukunft weiter gehen soll.
Gewünscht hätte ich mir auch, dass die Fachleute aus den Kammern zu Wort gekommen wären.
Wir stehen vor großen Herausforderungen, die sich aus der demografischen Entwicklung und den Erfordernissen zum Klimaschutz auch für die Baukultur ergeben.
Folgende Fragen müssen ganz oben auf uns
Wie bringen wir Denkmalschutz und Energieeffizienz unter einen Hut?
Wie können wir den Einsatz von Photovoltaik- und Solaranlagen mit Gestaltungs- und Erhaltungszielen für Dachlandschaften in Übereinstimmung bringen?
Was können wir tun, um den Einsatz nachwachsender Rohstoffe und umweltfreundlicher Materialien bei Baumaßnahmen zu befördern?
Wie sichern wir, dass alle Menschen bauliche Anlagen jeglicher Art, selbstständig und uneingeschränkt nutzen können?
Wie erschaffen wir eine gebaute Umwelt für eine Gesellschaft, in der Teilhabe und Inklusion selbstverständlich sind?
Meine Kolleginnen und Kollegen,
21 Thesen dienten dem Beschluss des Landtages vom 26. Juni 2003 zur Förderung der Baukultur als Grundlage.
Wäre es nicht an der Zeit, diese Thesen in einer öffentlichen Debatte gemeinsam mit der Architekten- und Ingenieurkammer, Ausbildungsstätten, Verbänden und Vereinen und interessierten Bürgern auf Aktualität zu überprüfen?
In den Thesen finden wir inhaltliche Aussagen zum Schutz der Umwelt, zur Einhaltung ökologischer Parameter, zur nachhaltigen und bestandsorientierten Siedlungs- und Regionalentwicklung und auch zu sozialen Aspekten.
Dennoch halte ich die Zeit für gekommen, die Thesen auch auf ihren Fortschreibungsbedarf zu überprüfen.
Ich erinnere noch einmal an das Ziel der Initiative Baukultur:
„Ziel soll es sein, das öffentliche Bewusstsein für die gebaute Umwelt zu stärken. Gutes Bauen muss zu einem wichtigen gesellschaftlichen Anliegen werden.“
Wir haben viele und einzigartige Zeugnisse der Baukultur im Land.
Aber wir brauchen gutes Bauen auch im Kleinen. Baukultur muss für jeden Bauherrn, für jedes auch noch so kleine Bauvorhaben und für jeden Geldbeutel wichtig und machbar sein.
Wir brauchen Baukultur nicht um ihrer selbst willen, sondern weil sie Identität fördert, den Wiedererkennungswert steigert und innovativ ist.
Menschen, die sich hier wohl fühlen, bleiben hier oder kommen wieder. Gute Baukultur ist ein bedeutender so genannter weicher Wirtschaftsfaktor.
Meine Fraktion und ich betrachten deshalb den uns vorliegenden Bericht als Erstauflage, dem weitere Auflagen folgen müssen.
Regelmäßige Unterrichtungen sollten wir zum Anlass nehmen, um das Thema Baukultur auch regelmäßig im Landtag aufzurufen und damit öffentlichkeitswirksam zu machen.
Das Prinzip, „tue Gutes und rede darüber“, ist hier durchaus angebracht.
Kolleginnen und Kollegen,
weil die Ergebnisse des Werkstattgespräches zur Baukultur am 18. März dieses Jahres in die Debatte einfließen sollten, verschoben wir die Aufsetzung auf die Tagesordnung.
Und weil der Fachminister auch anwesend sein wollte, verschoben wir erneut.
Verständlich die Enttäuschung von Minister Schlotmann, dass kein Landtagsabgeordneter am Werkstattgespräch teilnahm. Auch ich hatte andere wichtige Termine wahrzunehmen, aber unsere Fraktion war zumindest auf Mitarbeiterebene vertreten.
Daher bin ich gut informiert und möchte etwas zu dieser Veranstaltung sagen:
Die Vielzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigt das Interesse an diesem Thema. Die rege Kommunikation lässt erwarten, dass weitere Veranstaltungen zur Baukultur folgen werden.
Den Vorschlag des Ministers im Rahmen des Werkstattgesprächs, die Initiative Baukultur zu einem Netzwerk - beispielsweise in Form eines Vereins weiterzuentwickeln – unterstützt meine Fraktion.
Allerdings darf es nicht dazu führen, dass sich die Politik dann raus hält.
Ein „Hilferuf“ aus der Veranstaltung bewegt mich besonders:
Der Gastgeber, Prof. Giebeler, Dekan der Fakultät Gestaltung der Hochschule Wismar informierte, dass von den 30 – 40 Absolventen pro Jahr die meisten abwandern, weil hier aufgrund der wirtschaftlichen Situation der Planungsbüros Stellen für Absolventen fehlen.
Das ist unhaltbar und fatal für die Zukunft des Landes! Denn Wismar bildet als einzige Hochschule im Land Architekten aus.
Als eine Gegenmaßnahme wurde angeregt, ab einer bestimmten Größenordnung Architektenwettbewerbe zwingend vorzuschreiben.
Das sei gut für die Auftragslage und gut für die Bauqualität, hieß es.
Das Land setzt auf Wettbewerbe und hat einen entsprechenden Erlass eingeführt.
Aber kommunale und private Auftraggeber müssen überzeugt werden, dass es nicht Geldverschwendung sondern ein Zugewinn ist, wenn man sich für die beste Lösung entscheiden kann.
Für diese Aufklärungsarbeit hätte die Broschüre gut genutzt werden können.
Generell finde ich: Der Staat muss auch seinen Beitrag leisten, junge Absolventen im Land zu halten.
Minister Schlotmanns gut gemeinter Vorschlag, sich beim BBL zu bewerben, dürfte das Problem nicht lösen.
Auf kommunaler Ebene sieht es mau aus.
Fachkräfte in den Bau- und Denkmalbehörden wurden massiv abgebaut.
Und ein Großteil der noch vorhandenen Fachleute geht in den kommenden Jahren in den Ruhestand.
Architektonische Unbildung in den Behörden – so will ich es nennen – wird auf Dauer der Baukultur nicht dienlich sein.
Auch aus der Montagveranstaltung zu 20 Jahren Landesbauordnung nahm ich mit, dass kompetente Fachkräfte in den Baubehörden ein Muss sind.
Wir müssen wieder gesetzliche Standards zur fachlichen Eignung von Personal in Behörden mit speziellen Aufgaben einführen oder wir dürfen sie nicht aufgeben.
Danke